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Gastkommentar

Cancel Culture muss gecancelt werden

(c) Peter Kufner
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Die Verbannung des Winnetou. Warum Cancel Culture die Liberalität demokratischer Systeme gefährdet und Debatten unmöglich macht.

DER AUTOR

Eckhard Jesse (geb. 1948) ist emeritierter Professor an der TU Chemnitz. Er fungierte von 2007 bis 2009 als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft. Der Mitherausgeber des „Jahrbuchs Extremismus & Demokratie“ zählt zu den bekanntesten Politikwisssenschaftlern.

Ende August dieses Jahres zog der Ravensburger Verlag zwei Kinderbücher aus dem Programm zurück, weil „wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben“. Kritiker hatten unzeitgemäße rassistische Stereotypen bemängelt. Zerknirscht heißt es beim Verlag: „Die Entscheidung, die Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen. Wir haben zum damaligen Zeitpunkt einen Fehler gemacht. und wir können euch versichern: Wir lernen daraus!“ Zuvor hat die Berliner Spitzenkandidatin der Grünen, Bettina Jarasch, die Frage nach ihrem Kindheitswunsch mit „Indianerhäuptling“ beantwortet. Als sie Schelte aus den eigenen Reihen hinnehmen musste, entschuldigte sie sich wegen ihrer „unreflektierten Kindheitserinnerungen“. Manche verwenden das „I-Wort“ gar nicht mehr – es sei diskriminierend wie das „M-Wort“ (Mohr) oder das „N-Wort“ (Neger). Texte und Markenlogos ändern sich. Aus dem „Negerkönig“ bei Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ ist der „Südseekönig“ geworden, aus dem „Sarotti-Mohr“ der Schokoladenfirma der „Sarotti-Magier der Sinne“. George Orwell lässt grüßen.