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Oper

„Andrea Chénier“ in der Staatsoper: Mehr Leidenschaft, bitte!

Auf dem Weg zur Guillotine: Maria Agresta als Maddalena und Jonas Kaufmann als Dichter Chénier.Wiener Staatsoper / Michael Pöhn
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Zur Wiederaufnahme von Giordanos Oper mit Jonas Kaufmann, George Petean und Maria Agresta.

„La fiamma consueta“, die altgewohnte Flamme möge ihm die Dichtkunst als höchste Göttin nochmals gewähren: So fleht der Poet in seiner letzten Stunde, in der er noch den „eisigen Atem des Todgeweihten“ in einen Reim verwandeln will. Während der (erfundene) Maler Cavaradossi in Puccinis „Tosca“ vor der Hinrichtung sich in verzweifelter Sehnsucht nach der Geliebten verzehrt, beschwört der (historische) Dichter Chénier in derselben Lage erst recht seine Kunst: So weit der Welt entrückt wünschte sich sogar der Verismo noch seinen Helden – in Umberto Giordanos packender Revolutionsoper „Andrea Chénier“, uraufgeführt 1896, vier Jahre vor „Tosca“.

Jonas Kaufmanns eigene Flamme mag diesmal etwas sparsamer gebrannt haben, eine noch nicht ganz überstandene Erkältung forderte Tribut. Aber man darf nach wie vor sicher sein, dass Chéniers poetische Ader sich bei ihm auch im Gesang mitteilt und nicht in Kraftmeierei untergeht. Wie eh und je macht er eine heikle Stelle zu einem Höhepunkt, bei der berühmte Kollegen sogar im Plattenstudio geschummelt haben: Das hohe As bei „Ora soave“ im großen Duett setzt er im Pianissimo an und weiß es fulminant zu steigern. Mit Recht bejubeln die Fans alle vier Nummern dieses Chénier, selbst wenn sein baritonaler Tenor noch ein bisschen müder und rauer tönt als zuletzt und man sich mehr Rundheit und Schmelz wünschte.