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Transatlantisches Verhältnis

Macrons Soloshow im Weißen Haus

APA/AFP
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Joe Biden bietet für Frankreichs Präsidenten das ganze Zeremoniell auf. Den Handelskonflikt kann er nicht übertünchen. Neben dem Ukraine-Krieg im Fokus: der US-Protektionismus.

21 Salutschüsse, klingende Militärmusik und Formationen in historischen Uniformen begrüßten die Gäste aus Paris, die im Blair House, dem Gästezimmer des Weißen Hauses, untergebracht waren. Joe Biden ließ das gesamte Zeremoniell für den Staatsbesuch Emmanuel Macrons und Ehefrau Brigitte, ihrem bereits zweiten in vier Jahren und dem ersten seiner Amtszeit, auffahren. Eine sehr seltene Ehre.

Zum Staatsbankett für den „ältesten Verbündeten“ der USA ließ der Präsident exquisite Spezialitäten kredenzen: Hummer aus Maine, Blauschimmelkäse aus Oregon, Weine aus dem kalifornischen Napa Valley. Für Unterhaltung im Gartenzelt sorgte der Musikstar Jon Batiste. Bereits am Abend zuvor hatten die Präsidentenpaare bei einem Tête-à-Tête in einem italienischen Restaurant im Stadtteil Georgetown ausführlich Gelegenheit für Konversation. Als Gastgeschenk brachte Macron als Erinnerung an das erste Kinorendezvous der Bidens eine Platte mit: die Filmmusik zu Claude Lelouchs „Un homme et une femme“.

Frankreichs Präsident, mit 44 Jahren immer noch einer der jüngsten, ist zum dienstältesten unter den EU-Schwergewichten und quasi zum Nachfolger Angela Merkels auf europäischer Ebene avanciert. Olaf Scholz, Pedro Sánchez, Giorgia Meloni – keiner reicht an sein Format heran. Biden hofierte Macron also auch als den prominentesten Meinungsführer Europas, der zuweilen einen Sonderweg einschlägt, eigene Reformideen vorbringt und Kritik an den Alliierten übt. Nach Washington war der französische Staatschef in der Absicht gereist, die „Agenda zu synchronisieren“, in die sich Disharmonien eingeschlichen haben.