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Mein Freitag

Der oberste Knopf sollte niemals fehlen

APA
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Ein guter Mantel hat einen Ersatzknopf, innen am Futter. Vielleicht war es doch nicht so ein guter Mantel.

Jedes Mal beim Zuknöpfen des Mantels (und das tut man dieser Tage oft), der gleiche Gedanke: Der oberste Knopf reißt bald ab, der hängt gerade noch an zwei Fäden. Sollte man annähen. Sollte man bald annähen. Aber heute hält er noch. Solang es gut geht, wird er nicht angenäht. Dann reißt er ab und geht verloren, und es ist ärgerlich, es war ja abzusehen. Ein guter Mantel hat einen Ersatzknopf, innen am Futter. Vielleicht war es doch nicht so ein guter Mantel.

 

Gleich neben dem Knopfgeschäft ist ein Blumenhändler. Es ist der Tag vor dem ersten Adventsonntag. Ein großer, aufwendig geschmückter Adventkranz kostet 210 Euro. Er wird wahrscheinlich eher verkauft werden als die nicht so liebevoll dekorierten Kränze der mittleren Preiskategorie in anderen Geschäften. Das bestätigen auch Handelsexperten: Teure Güter gehen auch in der Krise, es ist das mittlere Segment, das verliert. Plötzlich zu teuer, für das, was es ist, und eher verzichtbar als das Notwendige und das Besondere.

Dass die Kaffeemaschine irgendwann streikt, war auch nur eine Frage der Zeit. Das kleine Bürstchen, mit dem man das Mahlwerk regelmäßig reinigen sollte, ist einem sogar öfter in der Ramasuri-Lade ins Auge gestochen, aber da dort so viele andere anklagende Objekte liegen, ist der Gedanke (Mahlwerk säubern) schnell wieder vorbeigegangen. Ein Überangebot an Aufforderungen liegt in diesen Laden, man sollte sie nehmen und in den Müll kippen. Das gehört sich natürlich nicht.

 

Einfach erledigen, also, eines nach dem anderen, aber das gilt auch nicht mehr, alles ist viel gleichzeitiger geworden, während des Knopfannähens den Rückruf tätigen, neue Termine ausmachen. Ach, die Jacke ist schon seit einem Jahr in der Putzerei – wie konnte das passieren? „Sie haben keine Ahnung, wie lang bei uns manches hängt“, sagt die Angestellte. Nicht, weil die Kleidung nicht mehr gewollt werde, sondern, weil man jedes Mal eine Ausrede habe, warum es gerade ungünstig sei, die Stücke heimzutragen.


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