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Wien Floridsdorf

Mit Erdwärme, Wind und Wasser

Begegnungszone: Treffpunkte gibt es in der Vertikalen und in der Horizontalen, in Innenhöfen und an Außentreppen.
Begegnungszone: Treffpunkte gibt es in der Vertikalen und in der Horizontalen, in Innenhöfen und an Außentreppen.(c) Soyka/Silber/Soyka
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In der Floridsdorfer Pilzgasse wird an einem Wohn- und Gewerbebau gearbeitet, der mehr Energie produziert, als er verbraucht.

Flexibel soll es sein, energieeffizient, umweltschonend – und idealerweise gut replizierbar: So lauten die hohen Anforderungen an das „Plus Energie Quartier“ PEQ21, das Bauträger Süba AG auf den ehemaligen Shell-Gründen in der Wiener Pilzgasse in Floridsdorf errichtet. Als Teil des Forschungsprojekts „Zukunftsquartier 2.0“ sind dort bis 2025 drei souveräne Baukörper geplant, die miteinander ein großes Ganzes ergeben: Auf insgesamt 34.000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche gibt es genügend Platz für circa 220 Wohnungen, an die 18.000 Quadratmeter, die Gewerbebetriebe nutzen können, auch ein Kindergarten und Möglichkeiten zum betreuten Wohnen sind vorgesehen.

Belebt und bespielt

„Das Leben ist ein Miteinander. Ein Austausch zwischen Generationen und Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen muss möglich sein“, sagt Georg Soyka vom Architekturbüro Soyka/Silber/Soyka, den verantwortlichen Planern. Daher arbeite man an einer „Stadt in der Stadt mit kurzen Wegen, Arbeiten und Wohnen werden vereint“; so soll auch der Absiedelung von Kleingewerben entgegengewirkt werden.

(c) Soyka/Silber/Soyka

Die Wegführung zwischen Gebäuden und Zonen ist dementsprechend ausgeklügelt: Der öffentliche (Straßen-)Raum führt über den höhergelegten Innenhof, eine halb öffentliche Zone, in die geschützten, privaten Rückzugsbereiche hinein: Terrassen, Balkone, Dachflächen mit Urban Gardening. Treppenaufgänge und Fluchtwege sind nach außen verlagert und mit Terrassenflächen verbunden, die als Pausen- und Kommunikationszonen fungieren. Das Ziel: „Es geht um Aufbruch, Lebendigkeit und unbegrenzte Bespielbarkeit“, beschreibt Payam Nia, Senior Project Partner im Architekturbüro. Begegnungen sollen damit allerorts möglich, die Betriebsamkeit der Nutzer sicht- und spürbar sein.

Das Durchlässige von drinnen und draußen wird auch mittels architektonischer Maßnahmen betont: In den kompakten Baukörpern sind französische Fenster eingearbeitet. Und die Büroflächen sind – wie die durchlüfteten Hochgaragen – dank ihrer starken Deckenlast und Statik flexibel zu gestalten, Produktionsstätten sind dadurch künftig genauso denkbar wie kleinteilige Ateliernutzungen.

Aktiviert und eingespeist

Doch schon bevor die ersten Bewohner, Künstler oder Wirtschaftstreibenden einziehen, hat das „erste urbane Plus-Energie-Quartier Wiens“ die ersten Preise und Auszeichnungen eingeheimst, speziell für sein Energiekonzept. Heuer prämierte die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (Ögut) das Bauvorhaben in der Kategorie Innovation und Stadt mit dem Ögut-Umweltpreis, und die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen DGNB verlieh das Platinzertifikat, die höchstmögliche Auszeichnung.

Ein Eckpfeiler des hochkomplexen, CO2-freien Heiz- und Kühlsystems ist die Bauteilaktivierung der Stahlbetondecken. Dabei werden über das Grundwasser, Erdwärmesonden und Wärmepumpsysteme die Plafonds als Wärme- oder Kältespeicher genutzt. Zudem sind die einzelnen Baukörper so angeordnet, dass sie durch ihre Begrünung wie eine saubere Lunge wirken, der Wind hindurchstreifen kann. Das verhindert Hitzebildung oder -stau im Quartier, im Wohnbau will man damit auf natürliches Lüftungsmanagement setzen, nur in den Büros auf mechanisches. Und die Fotovoltaikanlagen sind auf dem Dach zu finden, aber auch semitransparent auf Terrassen und an Fassaden. So kommt eben das Plus an Energie zustande: „Jene Mehrenergie, die nicht benötigt oder gespeichert werden kann, wird in das öffentliche Netz eingespeist und der Plus-Energie-Bilanz gutgeschrieben“, erklärt Nia.

Zum Bau, zum Ort

Das „Erste urbane Plus-Energie-Quartier Österreichs“, das PEQ21 in Wien Floridsdorf, ist ein Projekt des Konsortiums Zukunftsquartier 2.0. Bis 2025 sollen in der Pilzgasse 220 Wohnungen und 18.000 Quadratmeter Wohn- und Gewerbeflächen entstehen.

Im 21. Bezirk bezahlt man laut
Immobilienpreisspiegel für neue
Mietwohnungen in sehr guter Lage 11,37 Euro pro Quadratmeter, Eigentumswohnungen kosten im Erstbezug bei sehr gutem Wohnwert circa 4400 Euro pro Quadratmeter.

Die Auszeichnungen, die das Projekt für sich reklamieren kann, bestätigen für Heinz Fletzberger, Vorstand der Süba AG, den Weg des Bauträgers: Die Bauvorhaben setze man „im Einklang mit unserer Green-Building-Strategie um, die innovative Energienutzung, nachhaltige Bautechnologien und wissenschaftliche Erkenntnisse vereint“. Soyka bekräftigt: „Wien möchte bis 2040 klimaneutral sein. Das wird, wenn denn überhaupt, nur durch die Umsetzung solcher Projekte möglich sein.“