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Leitartikel

Der chinesische Systemfehler

ein Demonstrant hält ein Bild bei einem Protest vor dem chinesischen Konsulat in Istanbul
ein Demonstrant hält ein Bild bei einem Protest vor dem chinesischen Konsulat in IstanbulREUTERS
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Zu Beginn der Pandemie feierte sich Pekings autoritäres Regime ausgiebig selbst für sein entschlossenes Handeln. Demokratien haben jedoch einen entscheidenden Vorteil: Sie korrigieren sich schneller.

Der Schrecken muss Chinas kommunistischem Regime tief in die Knochen eingefahren sein. Vergangenes Wochenende strömten in mehr als 70 Städten des Landes Tausende zornige Bürger auf die Straßen, um gegen die drakonischen Corona-Beschränkungen zu demonstrieren. Einige forderten dabei sogar den Rücktritt von Staatschef Xi Jinping.
Eine Gefahr bestand für den Machthaber nie. Mit massiven Polizeieinsätzen sorgte er dafür, dass es zu keinen weiteren Versammlungen kam. Demonstrationsteilnehmer, die Spuren auf den unzähligen Überwachungskameras hinterlassen hatten, erhielten Hausbesuche und Vorladungen. Das schreckt ab. Doch auch wenn der große Aufstand ausblieb: Derartige Unmutsbekundungen hatte es seit Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 nicht gegeben.

Das totalitäre System reagierte nicht nur mit Einschüchterung, sondern auch mit Zugeständnissen: In Peking verschwanden am Samstag etliche Corona-Teststationen. Für den Zutritt zu Supermärkten sind nun keine Zertifikate mehr nötig. Die KP-Herrscher haben die Signale aus dem Volk gehört und lockern ihre rigide „Null Covid“-Strategie.