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Kleidungsvorschriften

Iranische Sittenpolizei laut Generalstaatsanwalt aufgelöst

Seit dem Tod von Mahsa Amini in Gewahrsam der Sittenpolizei gehen Menschen weltweit auf die Straße (am Foto in Istanbul). Sie solidarisieren sich mit den Frauen im Iran - die wiederum protestieren gegen das islamische System und dessen Gesetze und Vorschriften.
Seit dem Tod von Mahsa Amini in Gewahrsam der Sittenpolizei gehen Menschen weltweit auf die Straße (am Foto in Istanbul). Sie solidarisieren sich mit den Frauen im Iran - die wiederum protestieren gegen das islamische System und dessen Gesetze und Vorschriften.(c) APA/AFP/OZAN KOSE (OZAN KOSE)
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Die Sittenpolizei war bisher für die Einhaltung der Kleidungsvorschriften von Frauen zuständig. Sie soll nun aufgelöst worden sein - was zwar nicht das Ende des Kopftuchzwangs für Frauen bedeuten dürfte, wohl aber einen wichten Teilerfolg für die Frauenbewegung.

Im Iran ist nach Angaben des Generalstaatsanwalts die Sittenpolizei aufgelöst worden, die bisher hauptsächlich für die Einhaltung der Kleidungsvorschriften von Frauen zuständig war. "Die Sittenpolizei wurde aufgelöst, aber die Justizbehörde wird sich weiterhin mit dieser gesellschaftlichen Herausforderung auseinandersetzen", zitierte die Tageszeitung "Shargh" den Generalstaatsanwalt Mohammed Jafar Montazeri am Sonntag. Weitere Details gab es nicht.

Kritiker der politischen Führung reagierten verhalten auf die Ankündigung. Das Problem sei nicht die Sittenpolizei, sondern der Kopftuchzwang, schrieb ein iranischer Aktivist auf Twitter. "Frauen müssen überall ohne Kopftuch verkehren können", forderte er. Und dies sei "nur der erste Schritt."

Beobachtern zufolge würde die Auflösung der Sittenpolizei zwar kein Ende des Kopftuchzwangs für Frauen bedeuten, aber einen wichtigen Teilerfolg der Frauenbewegung im Iran darstellen.

Menschen gehen seit Wochen auf die Straße

Die Sittenpolizei - die übrigens auch zum Teil aus Frauen besteht, die die Männer begleiten - war der Auslöser der seit über zwei Monaten andauernden systemkritischen Aufstände in dem Land. Mitte September verhafteten die islamischen Sittenwächter die 22-jährige Mahsa Amini. Unter ihrem Kopftuch sollen ein paar Haarsträhnen hervorgetreten sein. Amini starb wenige Tage später im Gewahrsam der Sittenpolizei. Seitdem protestieren im Iran Menschen gegen das islamische System und dessen Gesetze und Vorschriften.

Seit dem Ausbruch der Proteste werden der Kopftuchzwang und die islamischen Kleidervorschriften von vielen Frauen, besonders in Großstädten, zunehmend ignoriert. Demnach müssen Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen, um Haare und Körperkonturen zu verhüllen. Dieses Gesetz ist seit über 40 Jahren Teil der gesellschaftspolitischen Doktrin des Iran um, wie es heißt, "Land und Volk vor der westlichen Kulturinvasion zu retten".

Weitere Proteste angekündigt

Seit Beginn der Demonstrationen wurden nach Einschätzung von Menschenrechtlern rund 470 Demonstranten getötet, darunter 64 Kinder und 60 Sicherheitskräfte. Die offiziellen Angaben diesbezüglich sind widersprüchlich. Der Sicherheitsrat spricht von 200, ein Kommandant der Revolutionsgarden von 300 Toten. Außerdem wurden in den vergangenen mehr als zwei Monaten Tausende verhaftet, unter ihnen Studenten, Journalisten, Sportler sowie Künstler. Einige Demonstranten wurden von Revolutionsgerichten auch bereits zum Tode verurteilt. Ab Montag sind landesweit weitere Proteste - und laut Oppositionskreisen auch Streiks - geplant.

(APA/dpa)