Pflichtschullehrer-Chef und Gewerkschafter Riegler fordert im Gespräch mit der "Presse" eine Master-Ausbildung für Volksschullehrer und warnt vor einem Alleingang von Ministerin Schmied und ihrem Team.
Wien. Walter Riegler will ein neues Dienst- und Besoldungsrecht für die Lehrer, und das rasch – aber nicht um jeden Preis. „Wenn ich überzeugt bin, dass das hirnrissiger Unsinn ist, dann werde ich es nicht unterschreiben“, sagt der mächtige schwarze Pflichtschullehrer-Gewerkschafter im „Presse“-Gespräch über eine neue Regelung. Ab diesem Monat will das Unterrichtsministerium von Claudia Schmied (SPÖ) mit Lehrervertretern über ein modernes Dienstrecht verhandeln, Riegler drängt seit Längerem darauf. Denn man müsse den Lehrerberuf für Junge auch finanziell attraktiver machen, sonst würden die Besten andere Jobs ergreifen oder ins Ausland abwandern.
Doch ehe er sich mit Schmied und ihren Experten auf ein neues Dienstrecht einigt, müsse das Ministerium zentrale Fragen beantworten: nämlich jene nach der künftigen Ausbildung von Lehrern und nach der Schulorganisation, so Riegler. „Man muss ja wissen, wohin das System geht, ehe man sich auf die neuen Bedingungen für die Lehrer einigt. Sonst hätte das neue Dienstrecht nur eine sehr kurze Haltbarkeit.“
Die Regierung müsse daher endlich klarmachen, ob sie ein differenziertes Schulsystem oder eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen wolle, ob alle Lehrer den Master machen sollen oder ob auch ein Bachelor genügt, ob die Volksschullehrer-Ausbildung aufgewertet werden und es daher mehr Gehalt für die Lehrer geben soll, und welche Lehrer künftig vom Bund und welche von den Ländern verwaltet werden sollen.
Käme die Politik ohne Antworten darauf, an der Gewerkschaft vorbei, zu einer Lösung, „dann ist das vielleicht der größte Blödsinn, den sie in den letzten 20Jahren erzeugt hat“, warnt Riegler vor einem Alleingang der Ministerin und ihres Teams. Geht es nach dem Pflichtschullehrer-Chef, dann kommt bald eine akademische Ausbildung auch für Volksschullehrer. „Sie legen den Grundstein für den Erfolg unserer Schüler.“
Mehr Geld für alle?
Auch die Volksschullehrer sollten ihr Studium – wie alle Lehrer – mit dem Master abschließen, ehe sie unterrichten, findet Riegler und stellt sich damit gegen Schmied sowie deren ÖVP-Pendant, Wissenschaftsministerin Beatrix Karl. Beide Ministerinnen haben anklingen lassen, dass sie sich den Unterricht durch Lehrer auch mit dem dreijährigen Bachelor vorstellen können, zumindest als Assistenzlehrer. Der Master würde Lehrer aber besser für den Unterricht wappnen, sagt Riegler. Für diesen müsse es allerdings auch mehr Gehalt geben.
Wann genau die Verhandlungen über das Dienstrecht beginnen, ist offen. Auch deren Ende ist unklar; Schmied will aber „zügig“ verhandeln. FORUM BILDUNG S.11, 12
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2011)