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CT

Wiener Radiologen weisen zusätzliche Lungenschäden nach

Mit Hilfe eines photonenzählenden Computertomografen könne eine bessere Darstellung der Lunge erzielt werden. Dies ermöglicht eine genauere Darstellung von Lungenschäden nach einer Covid-19-Infektion.

Die neue Technik der sogenannten photonenzählenden Computertomografie (PCD CT) erlaubt einen besseren Nachweis von Lungenschäden nach Covid-19. Den Beweis dafür hat eine Studie von Wiener Wissenschaftern erbracht, die vor kurzem in der Fachzeitschrift "Radiology" erschienen ist. Bei jedem zweiten untersuchten Long-Covid-Patienten zusätzlich wurden damit vor allem Zeichen einer Lungenfibrose nachgewiesen.

"Die Technik könnte den Weg zu einer schnelleren Therapie und besseren Behandlungsergebnissen bei der wachsenden Zahl von Personen mit Covid-bedingten Lungenschäden ebnen", schrieb das wissenschaftliche Journal der Gesellschaft der Radiologen Nordamerikas in einer Aussendung. In der Untersuchung (Fachartikel DOI:10.1148/radiol.222087) wurden die herkömmliche Computertomografie-Technik (energieintegrierende Detektoren/EID CT) mit dem in den vergangenen zehn Jahren entwickelten photonenzählenden Verfahren bei Patienten mit Long Covid verglichen.

Der Wiener Radiologe Benedikt Heidinger (MedUni Wien) gegenüber "Radiology": "Vorangegangene Studien haben bereits die Vorteile der PCD CT auf anderen Gebieten der Radiologie gezeigt, zum Beispiel bei der Herz-Kreislauf-Bildgebung und in der Bildgebung im Kopf- und Nackenbereich, durch eine extrem hohe Auflösung, bessere Bildqualität und damit auch durch eine bessere Verlässlichkeit der Bildgebung für den Beurteilenden (Radiologen; Anm.)."

Dieser Nachweis ist Heidinger und den Co-Autoren offenbar auch bei Lungenschäden in der Folge von Covid-19 gelungen. Die Wissenschafter untersuchten 20 Long-Covid-Patienten im Durchschnittsalter von 54 Jahren. Alle zeigten anhaltend Symptome wie Abgeschlagenheit und schnelle Ermüdbarkeit bzw. Husten und Atemnot. Die Teilnehmer an der Studie wurden zunächst mit der herkömmlichen Computertomografie auf Lungenschädigungen untersucht, danach auch mit der photonenzählenden Computertomografie.

Schon mit dem älteren Verfahren wurden bei 15 von 20 der Untersuchten (75 Prozent) krankhafte Veränderungen der Lunge nachgewiesen. Rund zehn Prozent des Lungengewebes waren davon betroffen. "In unserer Studie auf Lungenschädigungen bei Post-Covid-Patienten mit Symptomen konnten wir subtile Lungenveränderungen bei zehn von 20 Patienten mit der photonenzählenden Computertomografie entdecken, die mit der konventionellen Computertomografie nicht sichtbar waren", schilderte Heidinger die Resultate. Die bildgebende Technik wies vor allem auf fibrotische Prozesse bei den Betroffenen hin. Es war offenbar zu Vernarbungen in der Lunge gekommen.

Fünffach höhere Auflösung als bisherige CTs

Bei der herkömmlichen Computertomografie absorbiert der Detektor gegenüber der Röntgenstrahlenquelle möglichst alle Quanten, die das Gewebe durchdringen, und wandelt sie in ein elektrisches Signal um. Allerdings kann ein herkömmlicher Detektor nur die Summenwirkung dieser Quanten erfassen, also nur einen "Intensitätswert". Ein photonenzählender Detektor kann hingegen die ankommenden Röntgenquanten direkt in ein elektrisches Signal umwandeln. Außerdem zählt er jedes einzelne Photon, also jedes Energiepaket, das ein Gewebe durchdrungen hat, und übermittelt, wie hoch die Energie beim Auftreffen auf den Detektor ist. Weil die Energie der Quanten etwas über die Materie aussagt, die der Röntgenstrahl durchdrungen hat, ist es möglich, ein CT-Bild in verschiedene Materialien aufzuschlüsseln. Das neue Verfahren kann mit einer Schichtdicke pro Bild von nur noch 0,2 Millimetern eine um das fünffach höhere Auflösung als ein CT mit der älteren Technik erreichen. Auch die Strahlendosis kann verringert werden.

Die Teilnehmer an der Studie wurden im Mittel 101 Tage nach dem ersten positiven Sars-CoV-2-PCR-Test untersucht. Die CT-Scans fanden in etwa im Abstand von einer halben Stunde statt. Ein Viertel der Probanden war wegen Covid-19 auf einer Intensivstation gelegen, vier von ihnen hatten künstlich beatmet werden müssen. 16 litten drei Monate nach der akuten Erkrankung noch immer an Atemnot, 15 an Abgeschlagenheit und ein Viertel an andauernden Hustenanfällen.

 

(APA)