„Brüder“

Santo Versace veröffentlicht Werk über seinen Bruder Gianni

Francesca De Stefano und Santo Versace halten ein Exemplar von "Fratelli".
Francesca De Stefano und Santo Versace halten ein Exemplar von "Fratelli". (c) IMAGO/Independent Photo Agency Int.
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Die Autobiografie von Santo Versace, Bruder des berühmten Designers Gianni Versace, trägt den Titel „Brüder“. Sie erscheint im Mailänder Verlag Rizzoli.

25 Jahre nach dem Mord am italienischen Modezar Gianni Versace am 15. Juli 1997 vor seiner Villa in Miami erscheint die Autobiografie seines Bruders Santo, der die Erinnerungen an sein Leben an der Seite des Designers aufgeschrieben hat. „Fratelli“, also „Brüder“ heißt das im Mailänder Verlag Rizzoli erschienene Werk.

„Die Trauer um den Verlust meines Bruders war ein schmerzhafter Prozess. Im Laufe der Jahre habe ich einen langen Weg zurückgelegt, der mich heute endlich in die Lage versetzt hat, dieses ihm gewidmete Buch zu schreiben“, erklärte Santo Versace. Die Autobiografie bezeichnete der 78-jährige Autor als kathartische Therapie: „Sie hat mich von der Last der Vergangenheit befreit“.

Die Kraft zum Schreiben fand Santo Versace dank seiner Frau Francesca De Stefano, einer 53-jährigen Rechtsanwältin, mit der er seit 2014 verheiratet ist. Am 8. Juli 2023 wird das Paar in Rom auch in der Kirche heiraten. „Wir sind seit 18 Jahren zusammen. Von Anfang an hatte sie Verständnis für die Wunden, die in meiner Seele bluteten. Sie nahm mich an der Hand und begleitete mich auf dem Weg der Wiedergeburt. Dank ihr bin ich wiedergeboren“, berichtete Santo Versace.

„Eine italienische Familie“ 

Das Buch erzählt die Geschichte einer Familie, deren Name zwischen Mitte der 1970er und Ende der 1990er Jahre zum Synonym für Luxus wurde, und zwar dank Gianni Versace, der Frauen sinnlich und elegant machte, der Supermodels ins Rampenlicht stellte und der den Mut hatte, seine Homosexualität offen zu bekennen. „Una famiglia italiana“, also „Eine italienische Familie“, lautet auch der Untertitel der Autobiografie. Das Buch erzählt von Santos persönlicher Reise an der Seite seines um zwei Jahre jüngeren Bruders, den er bei der Verwirklichung seines Traums unterstützte.

Geboren am 2. Dezember 1946 im süditalienischen Reggio Calabria erblüht für Gianni Versace im Schneideratelier der Mutter schon früh seine Begeisterung für Mode. 1972 zieht er nach Mailand, wo er zunächst für verschiedene Labels arbeitet und 1978 seinen eigenen Namen zur Marke macht. Gianni Versace ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In den 1980er-Jahren entwickelt sich Mailand zur Modemetropole und bricht die Pariser Dominanz. Unterstützt von der mächtigen italienischen Textilindustrie sorgt eine neue Designer-Generation für Furore. „Wir haben zu Beginn einen Betrag investiert, der heute lächerlich ist: Circa 10.000 Euro“, berichtet Santo über die Anfänge seines Bruders als Designer in Mailand. Auch die jüngere Schwester Donatella arbeitete mit.

Gianni Versace hebt die Arme und winkt.
Gianni Versace hebt die Arme und winkt. Reuters

Gianni Versace macht den Superlativ zur Norm. Seine Boutiquen gleichen römischen Tempeln. Models macht er zu Supermodels. Megapromis wie Elton John, Sylvester Stallone und Prinzessin Diana bilden seinen Freundeskreis. Der Designer wohnt nicht, er residiert: in Palazzi von imperialer Pracht, gefüllt mit erlesener Kunst. Ein Lebensstil, der die Fantasie anregt.

Verlorenes Genie

Der Traum geht abrupt am 15. Juli 1997 in Miami zu Ende, als Gianni Versace vom Serienkiller Andrew Cunanan erschossen wurde. Der Täter beging wenige Tage später auf der Flucht Suizid. Versaces Schwester Donatella übernahm die kreative Führung des Modelabels. Santo Versace, der nach seinem Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Messina in einer Bank gearbeitet hatte, führte das Familienunternehmen weiter, allerdings mit finanziellen Schwierigkeiten. Das kreative Genie Gianni Versaces konnte einfach nicht ersetzt werden.

Santo und seine Schwester Donatella Versace.
Santo und seine Schwester Donatella Versace.EPA/ Daniel dal Zennaro

Bei den Parlamentswahlen 2008 wurde Santo Versace in die Reihen der Partei Forza Italia von Ex-Premier Silvio Berlusconi gewählt und war eine Legislaturperiode lang Mitglied des Parlaments. Als Gründungspräsident von Altagamma, einem Verband, der die wichtigsten italienischen Marken vereint, war Versace auch als Präsident der italienischen Modekammer aktiv. Nach dem Verkauf des Familienunternehmens an die US-Modegruppe Michael Kors für zwei Milliarden Euro im Jahr 2018 ist Santo aus der Modebranche ausgestiegen. Heute ist er Präsident der Stiftung, die seinen Namen trägt, und der Filmproduktions- und Vertriebsgesellschaft Minerva Pictures. Donatella hingegen ist weiterhin die kreative Beraterin von Versace. Ihre Tochter Allegra ist für die Werbekampagnen zuständig.

(APA)

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