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Wo Christen bedroht sind

EGYPT TERRORISM BOMB
(c) EPA (Mohamed Ali)
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In vielen Ländern nehmen „private“ Übergriffe gegen Christen zu. Die Behörden begünstigen oft Feindseligkeiten. Ein Beispiel dafür ist der Irak.

Wien/Apa/Kathpress/Mip. Der Anschlag auf eine christliche Gottesdienstgemeinde in Alexandria ist das jüngste Beispiel einer Bedrohung von Christen durch radikale Teile der Bevölkerung. Ging in den vergangenen Jahrzehnten die Christenverfolgung typischerweise von atheistischen oder radikal-muslimischen Regimen aus, so nimmt nun in vielen Ländern die von „privaten“ Gruppen ausgehende Bedrohung zu. Oft erfreuen sich diese Gruppierungen allerdings einer zumindest ideellen Unterstützung der Machthaber.

Ein Beispiel ist etwa der Irak. Die Erstürmung einer syrisch-katholischen Kirche in Bagdad durch islamische Extremisten im Oktober, bei der es 60 Todesopfer gegeben hatte, war das bisher erschütterndste Beispiel der seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 steigenden Gewalt gegen Christen. Viele suchen ihr Heil in der Flucht – die Zahl der Christen im Irak soll von einst 1,2 Millionen auf unter 400.000 gesunken sein.

Fast schon alltäglich sind Terrorschläge wie jener am 30. Dezember: Bei Angriffen auf 15 christliche Häuser in sieben Stadtvierteln Bagdads sind zwei Menschen ums Leben gekommen, 14 wurden verletzt. Das irakische Innenministerium geht davon aus, dass die Angriffe koordiniert waren.

Auch im mehrheitlich islamischen Indonesien fürchten Christen um ihr Leben. Im vergangenen Jahr gab es laut dem „Christlichen Kommunikationsforum Jakarta“ 40 Anschläge auf Kirchen. In diesem Jahr befürchtet der nationale Polizeichef Timur Pradopo eine weitere Zunahme religiöser Intoleranz. In einem Zeitungsinterview erklärte er vergangene Woche, die Polizei werde verstärkt auf Prävention setzen – bisher gab es immer wieder Vorwürfe, die Behörden unterstützen die radikalen Moslemgruppen.

Zunehmender Gewalt sehen sich Christen auch in Nigeria ausgesetzt, wo sie rund die Hälfte der Bevölkerung stellen. Mindestens 80 Christen kamen in den Weihnachtstagen durch Anschläge – unter anderem bei der Erstürmung einer Kirche in Maiduguri und bei Bombenattentaten in Jos – um. Die Stadt Jos war in den letzten Jahren immer wieder Schauplatz von Kämpfen zwischen Moslems und Christen; etwa vor einem Jahr, als nach einem Brandanschlag auf eine Kirche Gewalt zwischen den Religionen mindestens 300 Todesopfer forderte und militärisches Einschreiten nötig machte.

Die Attacken gegen Christen sind hier allerdings Teil eines größeren Destabilisierungsversuches radikalmuslimischer Milizen, die zuletzt am Neujahrstag Bombenanschläge an öffentlichen Plätzen verübt haben, bei denen zwölf Menschen den Tod fanden. Die Attentate werden der Gruppe „Boko Haram“ zugerechnet, die die Einführung der Scharia in Nordnigeria fordert (der Name bedeutet in Hausa so viel wie „Westliche Erziehung ist sündhaft“). Auch ethnische Konflikte vergrößern die Feindschaft zwischen den Religionen, bei der auch christliche Milizen nicht vor Gewalt zurückschrecken. So hat die christliche Tarok-Gruppe im Mai 2004 hunderte Moslems bei einem Überfall in Zentralnigeria getötet.

Die Türkei war in den vergangenen Jahren immer wieder Schauplatz spektakulärer Einzeltaten gegen Christen, von denen es im Land nur rund 100.000 gibt. So wurde 2006 im Zuge der Proteste gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen der Priester Andrea Santoro in Trabzon von einem 16-Jährigen erschossen. Ein Jahr später wurden drei Mitarbeiter eines protestantischen Verlags in Malatya grausam ermordet; gegen neun Männer, denen ein Naheverhältnis zum nationalistischen Verschwörungszirkel Ergenekon nachgesagt wird, wird immer noch ermittelt. Ungeklärt sind auch die – möglicherweise nicht religiösen – Hintergründe des Mordes am Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz, Luigi Padovese, der im Juni 2010 von seinem Fahrer erstochen und geköpft worden war.
Pakistan ist ein Musterbeispiel dafür, dass eine rechtliche und faktische Schlechterstellung christlicher Staatsbürger Übergriffe erleichtert. So bleiben Gewalttaten gegen Christen – die rund drei Millionen gehören überwiegend zu den Ärmsten des Landes – vielfach ungeahndet. Dazu gehören körperliche Misshandlungen, Vergewaltigungen und Zwangsehen ebenso wie Drohungen gegen christliche Gemeinden oder die Zerstörung von Kirchen.

Verbessert haben sich die Bedingungen in Indien, namentlich im Bundesstaat Orissa, wo im August 2008 tagelang wütende Hindus gegen Christen vorgingen: 118 Menschen starben, 300 Kirchen und mehr als 5000?Häuser wurden zerstört, mindestens 50.000 flohen. Auslöser war die Ermordung eines nationalistischen Hindu-Führers (wahrscheinlich durch die im armen Bundesstaat operierenden maoistischen Rebellen). Im Juni dieses Jahres wurde einer der Drahtzieher des Massakers, Manoj Pradhan, ein Abgeordneter der Hindu-Partei BNP, wegen Mordes an einem der Opfer zu sieben Jahren Haft verurteilt. Frühere Anklagen gegen Pradhan wurden stets niedergeschlagen, weshalb der Erzbischof von Cuttack-Blubaneshwar von einem „lang erhofften Meilenstein der Rechtsprechung“ sprach.