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Arbeitsforschung

Home-Office ja, Selbstbestimmung eher nein

Positive und negative Aspekte von Home-Office wurden abgefragt.
Positive und negative Aspekte von Home-Office wurden abgefragt.IMAGO/Westend61
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Ein heimisches Team befragte 1700 Beschäftigte und fand, dass nur wenige mitbestimmen können, wie flexibel sie abseits vom Büro arbeiten können. Eine höhere Mitgestaltung brächte mehr Zufriedenheit und Motivation für die Beteiligten.

Die vergangenen Jahre zeigten, wie schnell man Dinge ändern kann, die selbstverständlich waren. Wo früher alle Mitarbeitenden täglich ins Büro pendelten, wurde ab den ersten Lockdowns auf Home-Office und mobiles Arbeiten umgesattelt. Ein Team der Fachhochschule des BFI Wien und der IMC Fachhochschule Krems schnappte sich diesen Erfahrungsschatz und erkundete erstmals: Wie stark können Beschäftigte ihre Rahmenbedingungen des mobilen Arbeitens mitgestalten?

„Aus der Literatur der Arbeits- und Organisationspsychologie weiß man, dass mobiles Arbeiten die Zufriedenheit und Motivation positiv beeinflusst. Wir wollten nun wissen, wie autonom die Beschäftigten sind, wenn es darum geht, diese Vorzüge umzusetzen“, erklärt Laura Dörfler, die das von der AK Wien geförderte Projekt an der FH BFI Wien geleitet hat. Dabei befragte das Team online knapp 1700 Menschen aus allen österreichischen Bundesländern, die ausgewogen aus den unterschiedlichen Geschlechtern, Altersstufen und Bildungsniveaus stammten. „Die Selbstbestimmungstheorie besagt, dass Autonomie ein wesentlicher Faktor für Zufriedenheit und Motivation ist. Diese wirken sich positiv auf die Gesundheit aus“, sagt Dörfler, die selbst auch erlebte, wie sich ihr Arbeitsalltag von 100 Prozent Büro zuerst zu 100 Prozent Home-Office umdrehte und sich nun bei 50:50 eingependelt hat.

„Wir haben auch die negativen Auswirkungen abgefragt, wie fehlende Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit.“ Manche fühlen sich stark kontrolliert durch das Aufscheinen der Online-Arbeitszeit oder durch die Erwartung, dass man sofort auf jedes E-Mail antwortet. So wie das mobile Arbeiten gute und schlechte Seiten hat, kann auch die Selbstbestimmung zu positiven oder negativen Erfahrungen führen.

 

Nur ein Drittel ist autonom

Der erste Teil der Befragung richtete sich daher darauf, wie Selbstbestimmung und mobiles Arbeiten zusammengehen. „Können die Beschäftigten bestimmen, ob sie ihre Arbeit im Home-Office unterbrechen, also z. B. am Vormittag arbeiten und am Abend weitermachen?“, erklärt Dörfler.

Können die Leute den Ort variieren, an dem sie arbeiten, und ins Kaffeehaus oder den Park wechseln? „Die Ergebnisse zeigen, dass hier sehr wenig Autonomie herrscht“, so Dörfler. Zwei Drittel der Befragten können weder zeitlich noch räumlich selbstbestimmt sein. Weiters fragten die Forschenden, ob und wie die Beschäftigten in die Festlegung der Rahmenbedingungen involviert waren, als das mobile Arbeiten eingeführt wurde.

Hat eine Führungskraft oder der Betriebsrat mit ihnen gesprochen? Hat der Betrieb Infos eingeholt, was die Mitarbeitenden sich wünschen? „Nur 20 Prozent waren in irgendeiner Weise involviert in die Ausgestaltung des mobilen Arbeitens“, sagt Dörfler. Die Mitbestimmung rund um Home-Office und Remote Work ist also kaum gegeben.

Das Team der FHs organisierte auch ein Online-Experiment, bei dem jeder Befragte sechs fiktive Szenarien erlebte, die in denen das mobile Arbeiten mehr oder weniger flexibel und selbstbestimmt gestaltet war. „Auch diese virtuellen Arbeitsumgebungen zeigten: Je höher die zeitliche und räumliche Autonomie, umso stärker sind die positiven Effekte wie Zufriedenheit und Motivation.“

LEXIKON

Mobiles Arbeiten oder Remote Work beschreibt, dass Beschäftigte nicht ans Firmenbüro gebunden sind.

Home-Office ist der gängige Begriff für Dienst, der von zu Hause verrichtet wird. Die Selbstbestimmung darüber, ob die Arbeit im Kaffeehaus stattfindet oder zeitlich über den Tag verteilt wird, ist in Österreich gering. Die Studie wurde an der FH BFI Wien und der IMC FH Krems im Herbst abgeschlossen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2022)