Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ein Textilarbeiter in Bangladesch hängt Stoffe zum Trocknen auf, nachdem diese eingefärbt wurden.
Premium
Textilindustrie

Die undurchsichtigen Lieferketten der Textilindustrie

In der Textilindustrie sind Arbeitsrechte wenig wert. Besonders im Luxussegment sind die Lieferketten kaum transparent. 2023 soll sich das ändern – ab dann gelten für deutsche Firmen strengere Regeln. Auch die EU will die Zügel stärker anziehen.

Vor knapp zehn Jahren, im April 2013, ist die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch eingestürzt. Mehr als 1100 Menschen sind dabei gestorben, vor allem Näherinnen. Sie produzierten Kleidung und Schuhe im Auftrag von bekannten europäischen Marken. Hauptursache für den Unfall war laut dem 400 Seiten dicken Untersuchungsbericht grobe Fahrlässigkeit, längst hätte in dem maroden Gebäude nicht mehr gearbeitet werden dürfen. Doch der Profit stand im Vordergrund – die Auftraggeber hatten wenig Anreiz, die Produktionswerke zu stoppen. Auch die lokalen Behörden nicht. Die Textilindustrie ist in den Ländern Südostasiens der wichtigste Wirtschaftssektor.

Die Tragödie von Rana Plaza steht bis heute exemplarisch dafür, dass in der Textilindustrie arbeitsrechtliche Mindeststandards in vielen Fällen nicht eingehalten werden. Immer wieder rollen NGOs den Fall auf, um in der Öffentlichkeit auf die schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Dafür, dass bei uns T-Shirts um nur wenige Euros verscherbelt werden, zahlen andere einen hohen Preis.

Leere Versprechen

Als Reaktion auf den wachsenden öffentlichen Druck machte die Textillobby damals Eingeständnisse, erhöhte Sicherheitsstandards, schwadronierte von existenzsichernden Mindestlöhnen und strengeren Kontrollen bei den Zulieferern. Diese seien aber noch immer längst nicht ausreichend, heißt es in einer aktuellen Auswertung der niederländischen NGO Somo, die die Lieferkettentransparenz von 100 internationalen Modekonzernen unter die Lupe nahm. Der Bericht zeichnet das Bild einer völlig intransparenten Industrie, in der man vergeblich nach signifikanten Verbesserungen sucht.

Kein einziges der untersuchten Unternehmen legt demnach Informationen zu gezahlten Löhnen in Zulieferbetrieben offen. Nur bei 17 der 100 Konzerne wurden Informationen über Verarbeitungsbetriebe und Rohstofflieferanten gefunden. 29 Unternehmen veröffentlichen zwar eine Lieferantenliste, diese waren aber meist unvollständig.

Besonders schlecht schneiden ausgerechnet Unternehmen des Luxussegments ab: Nur jede fünfte Luxusmarke (9 von 44) legte ihre Lieferanten offen. „Die Ergebnisse sind absolut enttäuschend“, sagt Gertrude Klaffenböck, Lieferketten-Expertin der NGO Südwind, die an der Erstellung des Berichts beteiligt war. „Für die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten ist Transparenz in den Lieferketten das oberste Gebot. Wenn ein Unternehmen seine Lieferanten kennt, dann gibt es keinen Grund, keine Lieferantenliste zu veröffentlichen. Wenn ein Unternehmen seine Lieferkette nicht kennt, wirft dies ernsthafte Fragen über die Einstellung zur Sorgfaltspflicht auf.“

Vorwürfe gegen heimische Firmen