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Diversität und Inklusion

41 Prozent erleben Diskriminierung oder Belästigung im Job

Mehr Vielfal wirkt sich auch auf die zukünftigen Mitarbeitenden aus
Mehr Vielfalt wirkt sich auch auf die zukünftigen Mitarbeitenden aus.Die Presse
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Die Forderungen von Arbeitnehmenden nach mehr Diversität, Fairness und Inklusion am Arbeitsplatz werden lauter, jedoch mangelt es heimischen Unternehmen oftmals noch an klaren Konzepten und Strategien zur Umsetzung.

Vielfalt am Arbeitsplatz scheint in Österreich ein Thema zu sein. Und für die Österreicherinnen und Österreicher ein entscheidender Faktor bei der Arbeitgeberwahl, wie die Kernergebnisse einer aktuellen Umfrage von Ketchum und PwC zeigen. Die Studie wurde im Rahmen des Jahrestreffens von WEconomy Diversity Leaders Exchange präsentiert. Bei dieser Führungskräfte-Veranstaltung waren rund 100 Diversity-Verantwortliche zu Gast.

Vielfaltförderung ist wichtiger bei Jobauswahl

Mehr Vielfalt innerhalb des Unternehmens wirkt sich auch auf die zukünftigen Mitarbeitenden aus. Ob ein Unternehmen als potenzieller Arbeitgeber in Betracht gezogen wird, hängt für die Mehrheit der Befragten davon ab, ob sich dieses klar für mehr Vielfalt am Arbeitsplatz positioniert. Für Frauen ist die Vielfaltförderung dabei deutlich wichtiger (65 Prozent) als für ihre männlichen Kollegen (55 Prozent), zudem ist das Thema vor allem für die unter 30-Jährigen von enormer Bedeutung (67 Prozent).

Dabei gibt sich mehr als die Hälfte (58 Prozent) nicht nur mit einer Positionierung zufrieden, sondern wünscht sich klare Konzepte und Strategien zur Umsetzung der Vielfaltförderung. Zudem bewerten sie die Attraktivität des Arbeitgebers auch danach, inwiefern und wodurch Menschen mit Behinderung gefördert werden. Für 69 Prozent der Befragten ist das ein bedeutender Aspekt in der Auswahl ihres Arbeitgebers.

Forderungen nach Positionierung gegen Rassismus

Mehr als zwei Drittel der heimischen Arbeitnehmenden sei eine klare Unternehmenspositionierung gegen Rassismus wichtig. Besonders interessant ist, dass es hier keine großen Unterschiede im Alter oder Geschlecht gibt: Für 65 Prozent der Männer und 71 Prozent der Frauen ist dies ein Bedürfnis. Wird die Gruppe der unter 29-Jährigen herangezogen, hat die Förderung von nicht weißen Menschen (PoC – People of Color) einen hohen Stellenwert. Sie finden, dass diese zu wenig Unterstützung erfahren, wohingegen nur 15 Prozent der 50- bis 59-Jährigen genauso empfindet.

Auch People of Color oder Menschen mit Migrationshintergrund gibt es in der Führungsebene selten. 91 Prozent der Befragten geben an, dass ihre nächsten Vorgesetzten eine weiße Hautfarbe haben. Nur 10 Prozent der Österreicher arbeiten einer Person mit Migrationshintergrund zu. Die Umfrage zeige aber, dass Mitarbeitende das Gegenteil erwarten: Vier von zehn Befragten möchten, dass sich ihr Arbeitgeber aktiv für die Förderung von mehr Vielfalt und Inklusion im eigenen Unternehmen einsetzt. Aktuell erfüllen den Wunsch laut Arbeitnehmenden nur knapp ein Drittel der Unternehmen, indem sie Programme zur Förderung von Vielfalt und Inklusion anbieten.

Diskriminierung und Belästigung keine Seltenheit

41 Prozent der Befragten gaben an, bereits Diskriminierung oder Belästigung im Berufsleben erlebt oder mitbekommen zu haben. Davon waren 47 Prozent weiblich, 35 Prozent männlich. 14 Prozent wurden sogar schon einmal körperlich am Arbeitsplatz belästigt. Insgesamt lässt sich erkennen, dass dieses Verhalten keine Seltenheit ist. Bei der Frauenförderung sind die Meinungen geschlechtsabhängig: 48 Prozent der weiblichen Befragten sind der Meinung, dass Frauen in ihrem Unternehmen zu wenig gefördert werden – nur 27 Prozent der Männer sehen das auch so. Andererseits finden 16 Prozent der Männer, dass Frauen zu viel gefördert werden.

Geht man von den Führungskräften eines Unternehmens aus, so lässt sich klar erkennen, dass diese noch immer mehrheitlich von weißen Männern besetzt sind: 81 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre nächsten Vorgesetzten männlich sind. Doch zeigt sich ein deutlicher Unterschied bei den Geschlechtern: Nur 19 Prozent der männlichen Befragten, jedoch mehr als doppelt so viele Frauen (44 Prozent), haben eine Frau als Vorgesetzte.

Mehr als ein ‚nice-to-have‘

„Diversität und Inklusion in der Arbeitswelt sind heute weit mehr als ein ‚nice-to-have‘. Sie sind grundlegende Voraussetzungen für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg und denken wichtige gesellschaftliche Werte neu. Unsere Studienergebnisse verdeutlichen dabei auch klar die zunehmende Wahrnehmung und Bedeutung für Arbeitnehmende“, sagte Nadia Arouri, Leiterin des People & Culture Consulting Teams bei PwC Österreich.

„Die Themen Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion sind mittlerweile wichtige Entscheidungskriterien bei der Jobsuche geworden. Diversity Management steht bereits durch den Generations- und Wertewandel auf vielen Agenden. Den österreichischen Unternehmen fehlt es jedoch oftmals noch an passenden Strategien und auch an Mut zur Umsetzung. Vielfalt zu leben ist persönlich, kulturell, aber auch unternehmerisch ein Gewinn für alle“, sagte Manisha Joshi, Business Director und Head of Diversity, Equity & Inclusion bei Ketchum.

(red/mhk)