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Garagen

Edel parken in bester Lage mit und ohne Luster

Stapelbar: Tiefgarage im Apartmenthaus Hay Joe im Sechsten.
Stapelbar: Tiefgarage im Apartmenthaus Hay Joe im Sechsten.CROWND Estates
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In der Stadt treiben die Baukosten die Preise, in den Hotspots Marmor und Kristall.

Sechs Quadratmeter Souterrain, zentrale Lage, keine Küche, kein Bad, Kaufpreis 120.000 Euro: So ungefähr würde die klassische Anzeige für einen Stellplatz in einem Luxusprojekt in der Wiener Innenstadt aussehen. Und dabei kann bei Kosten zwischen 45.000 und 150.000 Euro von Wucher keine Rede sein, denn häufig sind die Errichtungskosten für die begehrten Wohnstätten des Fahrzeugs noch höher, „da kann man froh sein, wenn man diese eins zu eins weitergeben kann“, weiß Entwickler Maximilian Kneussl von Crownd Estates. Einsparen lassen sich diese Kosten im Luxussegment allerdings kaum, denn ohne Garagenplatz sind vor allem größere Einheiten kaum mehr verkäuflich.

„Nicht im Kreis fahren“

„Wer eine 150 Quadratmeter große Familienwohnung im Sechsten, Siebten oder Achten kauft, ist nicht amüsiert bei dem Gedanken, nach dem Skiurlaub mit den Kindern fünfmal im Kreis fahren zu müssen“, bringt es Kneussl auf den Punkt. Das kann im schlimmsten Fall nicht nur ein K.-o.-Kriterium sein, sondern hat auch Auswirkungen auf den Preis. „Bei Projekten ohne Tiefgaragen sehen wir immer eine preisliche Abwertung der Immobilie“, berichtet Elisabeth Rohr, Inhaberin von Rohr Real Estate. „Es sei denn, es gibt gleich nebenan eine öffentliche Garage, in der ein Stellplatz gemietet werden kann.“ Das ist aber vor allem innerstädtisch nur selten der Fall; und selbst wenn ein Platz frei wird, dann werden bis zu 350 Euro pro Monat fällig.

Vor allem im Ersten könnte der Wert von Garagenplätzen bald noch einmal steigen: „Wenn die geplante Zufahrtsbeschränkung in die Innere Stadt umgesetzt wird, wird es spannend“, meint Rohr. Derzeit gebe es unter den potenziellen Käufern zwei Lager: „Die einen sagen: ,Das ist halt der Zug der Zeit, und ich mag es eh ruhig.‘ Die anderen bestehen darauf, dass sie ihr Auto mit an den Wohnort nehmen können“, erzählt die Maklerin. Die viel beschworene sinkende Bedeutung des Autos und damit der Garagenplätze kann weder der Entwickler noch die Maklerin im Luxussegment derzeit ausmachen. „Davon ist absolut nichts zu sehen“, sagt Kneussl. „Diejenigen, die sich eine Wohnung ab 500.000 Euro kaufen, wollen natürlich das Auto abstellen können.“ Wobei das immer eine Frage der Lage sei, denn während innerstädtisch kleine Schlachten um Stellplätze geschlagen werden, seien bei einem Projekt in Penzing kürzlich sogar einige übrig geblieben. Die Verwendungsmöglichkeit des Autos habe sich innerstädtisch geändert, erzählt der Developer: „Heute wird es eher für Ausflüge oder Kurzurlaube genutzt.“ Denn die Wege des Alltags erledigen die Bewohner der teuren Quadratmeter immer öfter zu Fuß, per Rad oder mit den Öffis.

Ladestation gehört dazu

Das Erscheinungsbild, das Garagen heute vorweisen müssen, hat sich ebenfalls geändert. Mit den dunklen Betonbunkern von einst ist heute wenig Staat zu machen; wer Quadratmeterpreise von rund 25.000 Euro für sein Auto zahlt, darf sich dafür ein wenig mehr erwarten. Zwar sind in Wien noch keine Luxusausstattungen wie in Kitzbühel gefragt, allerdings muss es hell und sauber sein. Zu enge Zufahrten geben ebenfalls Abzüge in der B-Note.

Genau wie Stapelparker, die noch nie sonderlich beliebt waren, schon gar nicht bei SUV-Besitzern. „Aber zur Not freundet man sich damit eben an“, sagt Rohr, ein Deal-Breaker wie das komplette Fehlen eines Stellplatzes seien diese nicht. Einige Garagen – vor allem solche, deren Zufahrten an Vorrangstraßen mit Straßenbahnschienen liegen – seien auch mit Turntables ausgestattet, die ein Umdrehen auf engem Raum erleichtern, weil man aus diesen nicht rückwärts herausfahren darf. Ein großes Thema sind aktuell E-Ladestationen, die fast immer gewünscht werden, oder zumindest eine Vorrichtung dafür, wenn noch kein Strom vorhanden ist. Denn dafür muss zusätzlich eine Starkstromleitung in die Garage gelegt werden, wie Entwickler Kneussl erklärt.

Bedenken, dass der wachsende Bedarf danach auf lange Sicht zu Problemen – von der Überlastung der Netze bis zum Aufheizen des Bodens unter der Stadt – führen könnte, wischt Kneussl mit einem Rechenbeispiel vom Tisch: „Die Zahl der innerstädtischen Tiefgaragen ist schon allein dadurch begrenzt, dass über 50 Prozent der Zinshäuser zerfleddert sind und durchschnittlich 20 Eigentümer haben. Die werden sich vermutlich nie darauf einigen, eine Tiefgarage für mindestens eine Million einzubauen“, erklärt er, warum das Thema überhaupt nur dann eines wird, wenn ein Immobilienentwickler ein komplettes Haus saniert oder ein Zinshaus einen Alleineigentümer hat. Dort, wo der Platz dazu da ist, es einen alleinigen Inhaber gibt und eine Million mehr oder weniger derzeit noch weniger eine Rolle spielt als zu früheren Zeiten, leistet man sich dagegen gern noch ein bisschen mehr Luxus für den fahrbaren Untersatz. Oder genauer: gleich für mehrere fahrbare Untersätze.

Parken mit Swarovski-Luster

Denn in Kitzbühel fängt man mit einem einzelnen Stellplatz gar nicht erst an, wie der Geschäftsführer von Hagsteiner Immobilien, Ferdinand Hagsteigner, berichtet. „Im Durchschnitt haben die Garagen fünf bis zwölf Stellplätze, es können aber auch bis zu 30 sein“, berichtet der Makler. Die Fahrzeuge werden dann nicht schlicht nebeneinander oder gar in Staplern geparkt, sondern schön platziert zur Schau gestellt. Was dabei nicht fehlen darf: eine Garagenheizung, Swarovski-Luster, Altholz und edle Böden. „Ich kenne ein Haus, bei dem für den Garagenboden der Stein einer antiken Kirchenruine aus Italien importiert wurde“, erzählt Hagsteiner.

WO DAS AUTO WOHNT

Die Nachfrage nach Stellplätzen bei Luxusobjekten ist groß, denn wer sich ein Penthouse um mehrere Millionen Euro in der Wiener Innenstadt kauft, möchte ungern Runden um den Block drehen oder mit der Bim nach Hause fahren. Entsprechend werden Preise zwischen 45.000 und 150.000 Euro aufgerufen und bezahlt. Wo mehr Platz zum Parken ist, wie in Kitzbühel, darf dann gern auch noch ein Swarovski-Luster in der Auto-Herberge hängen.

Oft gehört zur Ausstattung auch eine kleine Bar samt Prosecco-Kühlschrank oder eine Glaswand zum Wohnbereich hin, durch die die automobilen Schätze dann jederzeit sichtbar sind. „Die Garagen sind zu einer Art Empfangsraum geworden, von der aus dann eine riesige Stiege hinaufgeht“, beschreibt der Makler. Zum Standard gehören seit Jahren auch beheizte Auffahrten, und das nicht nur in Luxusgaragen, sondern auch in öffentlichen, wie er erklärt. „Inwieweit diese heuer alle wirklich eingeschaltet werden, wird sich dann zeigen.“

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2022)