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Einst stand die Mittelschicht für den Aufstieg. Heute glauben 80 Prozent der Österreicher nicht mehr daran, dass es ihren Kindern besser gehen wird.
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Teuerung

Der Mittelschicht geht es besser, als sie denkt

Was tun Regierungen nicht alles, um die Mittelschicht zu stützen. Milliarden und Abermilliarden werden mit der Gießkanne für Klimabonus, Strompreisbremse, Anti-Teuerungsbonus, zusätzliche Familienbeihilfe und vieles mehr ausgegeben. Das Geld kommt zwar aufs Konto, aber nicht immer ins Bewusstsein. In der Mitte herrscht Abstiegsangst. Warum ist das so?

Im Oktober hatte der steirische ÖVP-Landeshauptmann Christopher Drexler in einem Interview im „Profil“ gemeint, er würde sich „bei einer breiten Definition gefühlsmäßig“ zur Mittelschicht zählen. Zwar relativierte er seine Äußerung umgehend und sagte: „Es ist natürlich jeder geneigt, sich zur Mittelschicht zu zählen. Aber sagen wir: Spätestens beim Landeshauptmann hört die Mittelschicht auf.“ Da war es schon passiert.

In Boulevardmedien und linken Foren wurde Drexler scharf kritisiert. Immerhin verdient er als Landeshauptmann mehr als 18.000 Euro brutto im Monat. „Wie abgehoben ist denn der?“, lautete der Vorwurf.

Mitte

67,4 Prozent der Bevölkerung gehören der Mittelschicht an. Damit besitzt Österreich eine sehr breite Mitte. Diese hat sich in den vergangenen 25 Jahren auch kaum verändert. Die Mitte erwies sich bisher als stabiler Anker der Gesellschaft.

22.193 Euro.
So viel muss ein Single in Österreich jährlich netto verdienen, damit er sich bereits zur Mittelschicht zählen kann. 1997 lag die Latte noch bei 17.660 Euro. Die Mittelschicht ist im Lauf der Jahre also wohlhabender geworden.

Tatsächlich sieht sich so ziemlich jeder gerne in der Mitte. „Man möchte nicht aus der Reihe tanzen und gehört gerne zur Masse“, sagt Hanno Lorenz. Er ist Ökonom beim liberalen Thinktank Agenda-Austria. Und selbst wenn man die breiteste Definition von Mittelschicht heranzieht: Mit 18.000 Euro im Monat sei man weit darüber, sagt auch Lorenz. Aber was ist die Mittelschicht, wie tickt sie, wächst sie oder fallen tatsächlich viele unten raus? Und wie steht es um die oft zitierte Radikalisierung der Mitte? „Es geht in der Politik nicht um Wahrheit, sondern um Wahrnehmung“, sagt Politikberater Thomas Hofer. Und darum geht es auch in der Debatte um die Mittelschicht. Was ist Wahrheit und was subjektive Wahrnehmung?

Schrumpft die Mitte?