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Interview

Michèle Burke: "Der Postler überreichte mir den Oscar"

Michèle Burke
Michèle BurkeMassimo Masini
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Als erste Frau bekam sie 1983 den Oscar für das beste Make-up. Wie sie aufgrund der Armut der zwölfköpfigen Großfamilie in die Emigration gedrängt wurde und welches Erlebnis sie mit Gérard Depardieus Nase hatte, erzählt Michèle Burke der „Presse“.

Die Presse: Mit Ihrem ersten Oscar für „Bestes Make-up und Hairstyling“ schrieben Sie 1983 Geschichte. Erinnern Sie sich an den Moment, als es hieß: „. . . and the Oscar goes to“?

Michèle Burke: Niemand hatte erwartet, dass ich gewinne – ich auch nicht, aber die Branche noch weniger. Bis dahin war der Beruf Maskenbildner eine Männerdomäne. Dazu kam, dass ich in Kanada arbeitete und in Hollywood vollkommen unbekannt war. Entsprechend groß war daher die Verwunderung, als ich als erste Frau den Oscar für „Bestes Make-up und Hairstyling“ gewann. Der Verleihung der damaligen 55. Academy Awards in Los Angeles musste ich aber fernbleiben, weil mich die Produktionsfirma nicht beurlaubte und wir in einem abgeschiedenen Dorf im tief verschneiten Alaska „Iceman“ drehten.

Wie kamen Sie dann zu Ihrer Trophäe?

Monate später traf eine Verständigung über eine Paketlieferung ein mit dem Vermerk: „Zoll-Inspektion notwendig.“ Als meine Schwester und ich dem Postbeamten die Benachrichtigung vorlegten und er das schwere Paket heranschleppte, betrachtete er uns junge Frauen etwas misstrauisch. Seinen Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen, als der Postbeamte das Paket öffnete und ungläubig ausstieß: „Das ist ja ein Oscar!“ Er ließ es sich nicht nehmen, mir die Oscar-Trophäe genauso feierlich zu überreichen wie im Fernsehen. Stellen Sie sich vor: Der Postler überreichte mir den Oscar!

Sie erwähnten, der Beruf Maskenbildner sei zu Beginn Ihrer Laufbahn eine Domäne der Männer gewesen. Warum wollten Sie dann ausgerechnet diesen Beruf ergreifen?

Dass ich Maskenbildnerin geworden bin, verdanke ich dem Zufall. Und der ging so: In Kanada jobbte ich in einer Bar und modelte nebenbei.