Warum schon wieder Piefke-Saga?

„Spuren des Bösen“: ein solider Hauptabendkrimi, leider überfrachtet mit „Deutsche-in-Österreich“-Klischees.

Es gibt sie noch: Menschen, die lächeln müssen, wenn sie das Wort „Mittagsschlaferl“ hören. Nicht, weil diese Erholungsphase in unserer hektischen Zeit vom Aussterben bedroht scheint, sondern weil das gerade im Wienerischen oft gebrauchte Diminutiv– „Schlaferl“ statt „Schlaf“ – offenbar immer noch für Erheiterung sorgt.

In Andreas Prochaskas neuem Film „Spuren des Bösen“, der am Mittwoch (20.15h) in ORF2 Premiere hat, sind es zwei Deutsche, die über das Wort stolpern, und damit sind wir gleich beim Kern des Films: Es geht – schon wieder– um die Missverständnisse zwischen Deutschen und Österreichern, um all das Trennende und Verbindende in deren Sprache, Humor und Charakter. Erst am Christtag ermittelte Wolfgang Böck im ORF als korrupter Kommissar und Weana Bazi par excellence mit einem überkorrekten deutschen Nachwuchsermittler. Nun ist es Heino Ferch, der für die Wiener Polizei als wortkarger und wenig leutseliger deutscher Psychologieprofessor Richard Brock einen brutalen Mord aufdecken soll – an der Seite der jungen, latent grantigen und nicht besonders eifrigen Chefinspektorin Vera Angerer, gespielt von Nina Proll. Dass der Deutsche und die Österreicherin nicht gleich warm miteinander werden, gehört zum Programm.

Dabei ist der Film ein passabler, wenn auch etwas glatter Hauptabendkrimi, der von den vielen bekannten Namen lebt, die routinierte Auftritte haben: Erwin Steinhauer, Doris Schretzmayer, Gerti Drassl, Edita Malovcic, Sabrina Reiter. Die prominenteste Hauptrolle hat aber Wien: Professor Brock joggt im Augarten, befragt den korrupten Konzernchef auf dem Dach des „News“-Büros am Donaukanal und besucht seine Tochter im AKH. Die „Piefke-und-Ösi“-Thematik hätte es eigentlich gar nicht gebraucht. Noch dazu, weil sie nur eingangs kurz gestreift wird. Es hat sich nicht gelohnt, für eine Handvoll müder Kalauer tief in die Klischeekiste zu greifen.

E-Mail: anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2011)

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