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Erneuerbares Energiesystem

Wie der Energiesektor Kurs auf Klimaneutralität nehmen kann

Welche Weichenstellung den Energiesektor klimafreundlicher macht, erörtert das Beratungsinstitut McKinsey.

Wenige Wochen nach dem für viele enttäuschenden Ende der Klimakonferenz in Ägypten legt nun eine Strategieberatungsgesellschaft eine Arbeit vor, die untersucht, wie der Energiesektor Kurs in Richtung Klimaneutralität nehmen kann. Oder könnte.

Die sieben Autoren beginnen mit den kleinen Schritten: Zunächst müsse man von den Absichtserklärungen zu konkreten Plänen und deren Umsetzung gelangen. Und dann brauche man vor allem Geduld. Denn die Änderungen im Energiesektor folgen einem langsamen Prozess. Und Maßnahmen, die heute gesetzt werden, benötigten oft Jahre, um die gewünschten Effekte zu bringen. Wohl darauf ist zurückzuführen, dass der Anteil der fossilen Energie im Jahr 2021 immer noch bei 82 Prozent lag, auch wenn sich das Ausmaß der erneuerbaren Energien in der Primärenergieproduktion verdoppelt habe.

Bei der Beobachtung der Entwicklungen schert die Studie nicht alle Länder über einen Kamm, sondern differenziert. Die einzelnen Staaten bzw. Regionen werden in fünf Gruppen unterteilt.

Da wären einmal die Länder, die mehr oder weniger als wohlhabend eingestuft werden und als energiesicher gelten – darunter fallen Australien, Saudi Arabien und die USA. Bei einem sich entfaltenden Wandel des Energiesektors halten es die Autorinnen für wahrscheinlich, dass diese Staaten Energie-Exporteure bleiben.

Wandel als Chance

Gruppe zwei bilden Länder wie Deutschland, Italien oder Japan. Es sind ebenfalls wohlhabende Staaten, bei denen aber Energie teilweise eine Achillesferse des Wirtschaftssystems ist. In dieser Gruppe ist auch Österreich angesiedelt. Der Wandel des Energiesektors könne durchaus auch eine Chance sein, in der Versorgung mit Energie unabhängig(er) zu werden.

China, Indien und Südafrika sind Staaten der Gruppe drei, für die hohe  Energieintensität charakteristisch ist. Gleichzeitig ist in diesen Regionen mit stark steigenden Verbräuchen zu rechnen. Hier werden einerseits die Weichen in Richtung Erneuerbare gestellt, andererseits hat Kohle nach wie vor einen hohen Stellenwert.

Gruppe vier wird gebildet von bevölkerungsreichen Ländern, die ein hohes Naturpotential haben – zum Beispiel Brasilien, Mexiko und Indonesien. Hier sei das Potential für Solar und Wind sehr hoch – auch deshalb, weil es hier reiche Vorkommen an Materialien gibt, die für die Erneuerbaren unerlässlich sind.

Und die fünfte und letzte Gruppe wird von den Entwicklungsländern gebildet, deren Wirtschaftssysteme unter Druck stehen, und die am stärksten an den Folgen der Klimakrise leiden. Der Wandel des Energiesektors dort ist gekoppelt mit dem Aufbau einer Infrastruktur und der Finanzierung einer Anpassung an die Folgen der Klimakrise.

Netze müssen adaptiert werden

Einerlei, welche Gruppe von Staaten man näher untersuchen möchte, es gibt, so die McKinsey-Arbeit, einige Punkte, die überall beantwortet bzw. gelöst werden müssen. Am wichtigsten erscheint, dass für die Erneuerbaren die notwendigen Flächen zur Verfügung stünden – die Genehmigungsverfahren müssten schneller werden, heißt es.

Außerdem müssten vor allem die Netze und andere technische Einrichtungen so adaptiert werden, damit die Erneuerbaren rasch ins Energiesystem integriert werden können. Zentrale Bedeutung habe auch, dass die globale Versorgungskette mit den Materialien besser funktioniere, die für die Produktion der Erneuerbaren gebraucht werden.

Industrie und Transportsektor müssten rasch dekarbonisiert werden, die Energiegewinnung muss umweltverträglich werden. Wichtig sei schließlich, dass Energiegewinnung weniger Emissionen verursacht. Sichergestellt müsse auch werden, dass Energie erschwinglich bleibt – auch für von der Klimakrise betroffene Regionen, die erhöhtem Risiko ausgesetzt sind.

Um die Erneuerbaren zu beflügeln, sei es außerdem nötig, einen attraktiven finanziellen Rahmen zu errichten. Zu guter Letzt müssten Rahmen und Standards geschaffen werden, um die Karbon-Intensität messen zu können.