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Dioxin-Skandal: Futtermittelfirma im Visier

Eine Herstellerfirma mischte Tierfutter Ausgangsstoffe für technische Schmierfette bei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Stark erhöhte Dioxin-Werte in Eiern sowie Geflügel- und Schweinefleisch waren die Folge.

Berlin/Ag. Im Skandal um dioxinverseuchtes Viehfutter in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt gegen die Herstellerfirma. Verbraucherministerin Ilse Aigner nannte am Dienstag die Erklärungsversuche der Verantwortlichen für die Verseuchung großer Chargen von Eiern, von Puten- und Schweinefleisch „wenig glaubwürdig“. Auslöser des Skandals ist Fertigfutter, dem Ausgangsstoffe für technisches Schmierfett beigemischt wurden. Stark erhöhte Dioxin-Werte in Eiern sowie Geflügel- und Schweinefleisch waren die Folge. Dioxin kann Krebs auslösen.

Die Futtermittelfirma aus Uetersen in Schleswig-Holstein hatte technische Mischfettsäure von einer Biodiesel-Anlage in Emden bezogen, diese wiederum hatte sie aus den Niederlanden. Durch die Kennzeichnung sei aber klar gewesen, dass die Säure nur für die technische Industrie, etwa zur Herstellung von Schmiermitteln, geeignet war, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Der Betrieb in Uetersen stellte mit der Säure dann Futterfett her, das an insgesamt zwölf kleinere Futtermittelbetriebe ging. Die wiederum belieferten Höfe in Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen.

Dort wurden am Montag 1000 Geflügel- und Schweinemastbetriebe geschlossen. Im nordrhein-westfälischen Kreis Soest ordneten die Behörden die Tötung von rund 8000 Legehennen an. Bauernverbände haben bereits angekündigt, die Futtermittelfirma für die Schäden haftbar machen zu wollen.

 

„Leichtfertige“ Beimischung

Technische Mischfettsäure fällt unter anderem bei der Herstellung von Biodiesel an. Der Futtermittelhersteller hat nach eigenen Angaben jahrelang Reste aus der Biodieselherstellung sowie der Nahrungsmittelindustrie verarbeitet. „Leichtfertig“, wie der Geschäftsführer am Montag zugab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2011)