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Medien

"Wahl zwischen Licht und Dunkelheit" - Pressestimmen zu Selenskijs Besuch in Washington

Selenskij und Biden im Gespräch in Washington.
Selenskij und Biden im Gespräch in Washington.APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI
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"NZZ": „Die Amerikaner holen in Europa die Kohlen aus dem Feuer“, "Público": „Mehr als eine Umarmung zwischen Selenskij und Biden"

Zeitungen kommentieren am Donnerstag den Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij in Washington.

Der ukrainische Präsident hat sich erstmals seit Kriegsbeginn aus seinem Land gewagt - in die USA. Dort mag man Heldenerzählungen. Und Wolodymyr Selenskij hatte sie im Gepäck.

>> Der Kommentar unserer USA-Korrespondentin Elisabeth Postl

"Neue Zürcher Zeitung":

"Die Ukraine wird eine Niederlage in ihrem Abwehrkampf nur abwenden können, wenn sie mehr als bloß prestigeträchtige Empfänge und Worte der Aufmunterung erhält. Daher ist es ein erfreuliches Zeichen, dass die USA den Applaus für Selenskyj mit neuen Zusagen für Militär- und Wirtschaftshilfe verbinden.

Das jüngste Paket umfasst erstmals auch ein Patriot-Flugabwehrsystem - eine hochmoderne Defensivwaffe, die Linderung gegen den Terror der russischen Luftangriffe verspricht und zahlreichen Zivilisten das Leben retten wird. Hinzu kommt Präzisionsmunition für Artillerie und Flugzeuge, was die Wirksamkeit ukrainischer Gegenoffensiven erhöhen dürfte. Die USA haben bisher Militärhilfe im Wert von rund 25 Milliarden Dollar geliefert oder zugesagt. Das ist mehr, als alle anderen Länder zusammen beitragen, und etwa doppelt so viel wie die gesamte Militärhilfe aus dem EU-Raum.

Diese Relationen verdeutlichen, dass es nach zwei Weltkriegen und den Jugoslawienkriegen einmal mehr die Amerikaner sind, die in Europa die Kohlen aus dem Feuer holen. Dass sie Putins Barbarei nicht einfach zuschauen, ist keineswegs selbstverständlich - säße heute noch immer der Kreml-Bewunderer Trump im Weißen Haus, wäre Amerika kaum eine verlässliche Stütze der Ukrainer."

"Público" (Lissabon):

"Bei der Pressekonferenz mit Wolodymyr Selenskij sagte der Präsident der mächtigsten Nation der Welt: 'Wir werden diesen Krieg gewinnen'. Diese Aussage (Joe Bidens) beschreibt nicht nur die Bedeutung des Besuchs des ukrainischen Präsidenten in Washington, sondern auch alles, was in diesen Zeiten wichtig ist. Und das ist die Verteidigung der Demokratie, der Souveränität der Staaten, des Rechts auf Selbstbestimmung der Völker, der Zivilisation und des Friedens durch die USA und Europa. Die Symbolik des Treffens zwischen Selenskij und Biden bekräftigt ein Bündnis, eine Wahl zwischen Licht und Dunkelheit, Demokratie und Autokratie, Vernunft und Brutalität.

Der Despot im Kreml hingegen raunt rund 300 Tage nach dem Beginn des Überfalls auf die Ukraine von neuen und revolutionären Waffen (wie Hitler im Todeskampf des Dritten Reiches) und droht mit neuen Angriffen. Aber er ist in der Defensive. Selenskyj im Weißen Haus unterstreicht den Irrtum derer, die wie Putin glaubten, Demokratien seien dem Untergang geweiht. Sie lagen falsch."

"The Times" (London):

"Sein Besuch unterstreicht die Bedeutung der von den USA bereits geleisteten Militärhilfe in Höhe von 20 Milliarden Dollar. Zudem verleiht er dem Vorschlag der Regierung von Präsident Joe Biden für ein weiteres Nothilfepaket in Höhe von 45 Milliarden Dollar starken Rückhalt. Der Kongress wird dies wahrscheinlich genehmigen, zumal die Demokraten derzeit noch das Repräsentantenhaus kontrollieren. (...)

Zur Wahrheit gehört jedoch, dass das Patriot-Luftabwehrsystem schon vor Monaten hätte angeboten werden sollen, und dass es Wochen dauern wird, bis es einsatzbereit ist. Biden wird auch nicht auf die Bitten der Ukraine um neue Superdrohnen oder die neueste Raketentechnologie eingehen, weil er befürchtet, dass diese in feindliche Hände fallen könnten. Nichtsdestotrotz: Noch vor zehn Monaten hatten die USA angeboten, Selenskij vor einer wahrscheinlichen Niederlage in Sicherheit zu bringe. Jetzt hingegen planen sie, wie die Ukraine jedwede neue russische Offensive Russlands abwehren und sogar gewinnen kann."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung":

"... Der Beitrag der europäischen Nato-Mitglieder zur Verteidigung der Ukraine ist zwar bedeutend, doch ausschlaggebend dafür, dass der Kampfesmut und die Kreativität der Ukrainer auch zu Erfolgen gegen den Aggressor geführt haben, war die Hilfe aus den USA. ... Deshalb ist es logisch, dass die erste Auslandsreise des ukrainischen Präsidenten seit Beginn des groß angelegten russischen Angriffskriegs nun nach Washington führt. Dass Wolodymyr Selenskijs Reise nach Amerika im Kreml schon negativ bewertet wurde, bevor der ukrainische Präsident dort angekommen war, zeigt, dass sie das richtige politische Signal nach Moskau sendet. Die russische Führung hofft, dass der Westen der Ukraine langsam überdrüssig wird. Bilder von Selenskij in Washington und Amerikas Zusage, Patriot-Raketen zu liefern, demonstrieren das Gegenteil. ..."

"Washington Post":

"Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij hat seine Karriere im Komödienfach gemacht, aber die russische Invasion in seinem Land vor 10 Monaten hat sein Talent für das Drama zum Vorschein gebracht - und zwar von der inspirierendsten Art. (...) Seine Rede (vor dem US-Kongress) bildete den Höhepunkt einer Reihe von Ereignissen, zu denen auch die offizielle Bestätigung von Präsident Biden gehörte, dass die Vereinigten Staaten ein Patriot-Raketenabwehrsystem in die Ukraine schicken werden. (...)

Ein neues Paket von 44,9 Milliarden Dollar an wirtschaftlicher und militärischer Hilfe, das in das vom Kongress zu verabschiedende Haushaltsgesetz aufgenommen wurde, wird die gesamte US-Unterstützung seit Beginn des Krieges auf 110 Milliarden Dollar bringen. (...) So massiv diese Unterstützung auch ist, sie deckt weder alles ab, was Herr Selenskyj will, noch alles, was er und sein Volk brauchen. Die Symbolik, fortschrittliche Patriots bereitzustellen - trotz russischer Warnungen, dass dies eine Provokation wäre und des früheren Zögerns der US-Regierung - sollte nicht unterschätzt werden. Doch auch die praktische Wirkung einer einzigen Batterie sollte nicht überschätzt werden. (...)"

(APA/dpa)