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Doppelinterview

Superreiche als Wohltäter: „Wir müssen uns von der Vorstellung eines Batman verabschieden"

Stefanie Moshammer (l.) und Marlene Engelhorn in Moshammers Ausstellung im Kunst Haus Wien.
Stefanie Moshammer (l.) und Marlene Engelhorn in Moshammers Ausstellung im Kunst Haus Wien.Carolina Frank
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Stefanie Moshammer, Fotografin, und Marlene Engelhorn, Autorin, unterhalten sich über Vermögen, Privilegien und Konsumwahn in der Gesellschaft sowie die (Un-)Möglichkeit, darauf zu verzichten.

Die eine ist Autorin und, wie sie sich manchmal selbst bezeichnet, Erbin, publizierte im vergangenen Jahr einen Langessay, in dem sie sich wie auch mit der „Tax Me Now“-Bewegung für die Besteuerung von Über­reichen ausspricht, und kündigte an, auf den Großteil ihres Millionenerbes verzichten zu wollen. Die andere ist Fotografin, arbeitet künstlerisch, an Reportagen und kommerziellen Aufträgen. In ihrem seit 2018 fortgeführten Projekt „We Love Our Customers“, das derzeit parallel in Ausstellungen in Wien und im Yuan Art Museum in Tianjin bei Peking zu sehen ist, reflektiert sie Überproduktion und Konsumdrang in der Textilindustrie. Ausgehend von der Annahme, die beiden könnten bei Themen wie Konsum, Geld, Umdenkprozesse, Regungen des Verzichts bzw. deren Ummöglichkeit zueinanderfinden, bat das „Schaufenster“ Marlene Engelhorn und Stefanie Moshammer zu einem Gespräch, das mit einer Jahresbilanz beginnt.

Unser Gespräch erscheint in der letzten Ausgabe des Jahres: Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt, beruflich, aber auch mit Blick auf die Welt? Mit wie viel Zuversicht hinterlässt Sie dieses Jahr, das viele als ein Annus horribilis empfanden?

Marlene Engelhorn: Es war ein aufregendes Jahr, zugleich ein entsetzliches. Was heuer alles geschehen ist, macht mich schon auch wahnsinnig. Zu sagen, es war ein gutes Jahr für mich, scheint fast unmöglich zu sein. Gleichzeitig ist viel passiert, vor allem auch bei „Tax Me Now“ und mit dem Buch „Geld“, worauf ich auch zufrieden und dankbar zurückschaue.

Stefanie Moshammer: Besonders nach einem Jahr wie diesem schätzt man es wert, wenn es einem selbst gut geht. Das aber nach außen zu tragen oder zu vermitteln, finde auch ich schwierig. Je schwieriger der konstante Zustand ist, desto schwerer fällt es mir persönlich zu zeigen, dass ich das Leben feiere. Wenn die Welt gerade um einen herum zugrunde geht, ist Zurückhaltung angesagt. Dennoch war es für mich ein gutes Jahr, mit vier Einzelausstellungen und relativ viel Arbeit. Wenn man sich in einem so intensiven Arbeitsprozess befindet, beschäftigt man sich viel mit sich selbst.

Die Ausgangsidee war, mit Ihnen beiden über Verzicht bzw. die Schwierigkeit zu verzichten zu sprechen: einmal der Verzicht auf Geld und eigenes Vermögen, einmal das Gegenteil von Verzicht bei Konsumorgien. Erscheint Ihnen das stimmig?