Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Marc Aurel im Kunsthistorischen Museum: Der römische Kaiser und Philosoph wollte nicht mit dem Leben hadern.
Premium
Haltung

Das darf alles nicht wahr sein? Doch, es darf leider

Mit welcher Haltung sollen wir nach den Kriegs- und Krisenschrecken ins neue Jahr schreiten? Mit Einsicht über die eigenen Unzulänglichkeiten, Neugier auf die Zukunft – und mit dem Wunsch, vorhandene Gestaltungsspielräume zu nützen. Ein semi-stoischer Leitfaden für 2023.

War Epiktet ein glücklicher Mensch? Wer die (zugegebenermaßen spärlichen) Überlieferungen über das Leben des antiken Philosophen studiert, kann eigentlich nur zum Schluss kommen, dass der um 50 n. Chr. geborene Stoiker mit seinem Schicksal hadern musste: In die Sklaverei nach Rom verkauft, wo ihm sein Herr das Bein zertrümmerte, wurde er nach seiner Freilassung (über deren Details wir nichts wissen) zum Berufsdenker – um prompt durch Kaiser Domitian aus der beruflichen Laufbahn geworfen zu werden, als dieser ihn gemeinsam mit anderen Philosophen aus der Reichshauptstadt vertreiben ließ. In Nikopolis in der nordgriechischen Provinz fand Epiktet schlussendlich jenen sicheren Hafen, den er sich vermutlich zeit seines Lebens gewünscht hatte – und widmete sich dort bis zu seinem Tod der Frage, wie sich philosophische Theorie mit chaotischer Lebenspraxis in Einklang bringen ließe.

Wut ist der Welt wurscht

Angesichts der Schicksalsschläge (manche von ihnen im wortwörtlichen Sinn), die Epiktet erleiden musste, ist es wenig überraschend, dass die Frage nach der individuellen Wirkungskraft und Autonomie inmitten eines wirren Weltgeschehens im Mittelpunkt der Überlegungen stand. Die wichtigste Empfehlung an seine Schüler lautete, vereinfacht formuliert, wie folgt: Teilt alle Dinge, mit denen ihr euch konfrontiert seht, in zwei Gruppen ein: jene, auf die ihr Einfluss nehmen könnt, sowie jene, die sich eurem Einfluss entziehen.