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Karl: Gymnasium und Neue Mittelschule sind gleichwertig

Karl Gymnasium Neue Mittelschule
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Wissenschaftsministerin Beatrix Karl über innovative Elemente im ÖVP-Bildungskonzept und das stille Ende ihrer Idee von einem „Gymnasium für alle“.

Die Presse: Vor einigen Monaten haben Sie noch das „Gymnasium für alle“, eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, gefordert. Im ÖVP-Bildungspapier steht nun nichts davon. Konnten Sie sich nicht durchsetzen?

Beatrix Karl: Mir war beim Vorschlag für ein „Gymnasium für alle“ immer wichtig, dass es eine starke Leistungsdifferenzierung gibt. Die ist im nun vorliegenden Papier ein zentraler Punkt, ebenso die Durchlässigkeit des Schulsystems. Deshalb fällt es mir nicht so schwer, dass meine Idee vom „Gymnasium für alle“ in dieser Form nicht umgesetzt wird.

Warum keine gemeinsame Schule?

Wir haben uns entschieden, mittels Neuer Mittelschule die Hauptschule aufzuwerten.

Sonderlich innovativ ist das nicht. Im ÖAAB-Bildungspapier, das Sie bei seiner Präsentation im Mai als „keinen großen Wurf“ kritisiert haben, steht annähernd das Gleiche.

Es war immer klar, dass das ÖAAB-Papier in unser Konzept eingearbeitet wird. Wir haben einige Elemente übernommen. Aber es finden sich auch ganz neue Aspekte darin, etwa die „Mittlere Reife“ vor dem Aufstieg in höhere Schulen. Auch die Sprachförderung ist ein ganz zentrales Element unseres Konzepts, mit dem es uns gut gelungen ist, viele ÖVP-interne Positionen zu koordinieren.

Wie soll sich die Neue Mittelschule inhaltlich von der AHS-Unterstufe unterscheiden, um den Weiterbestand beider Schultypen zu rechtfertigen?

Es gibt einen gemeinsamen Fächerkanon sowie gemeinsame Bildungsstandards, um die Durchlässigkeit zu sichern. Abseits dessen setzen die Schulen aber unterschiedliche Schwerpunkte. So wird es AHS geben, die sich auf Sprachen oder auf naturwissenschaftliche Fächer spezialisieren, andere Schulen haben Schwerpunkte im Sport oder im musischen Bereich.

Die „Bildungsempfehlungen“, die die Volksschullehrer den Schülern mitgeben sollen, werden aber wohl sicherstellen, dass Leistungsstärkere weiterhin in die Gymnasien gehen.

Die Bildungsempfehlung gibt Auskunft über die Kompetenzen und Talente des Kindes. Da geht es um weit mehr als um eine Aufnahmevoraussetzung für die AHS.


Es erhalten also nicht vor allem Schüler mit besonders guten Noten eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium?

Nein. Die Kinder sollen in jene Schule gehen, für deren Schwerpunkt sie sich am besten eignen. Das kann dann sowohl eine AHS als auch eine Neue Mittelschule sein.


Die Gymnasium wären damit erstmals nicht mehr die „höherwertige“ Schulform. Neue Mittelschule und AHS-Unterstufe stehen also gleichwertig nebeneinander?

Ja. Aber etwa mit dem Unterschied, dass die Gymnasien auf einen achtjährigen durchgehenden Schultyp ausgerichtet sind, während die Neue Mittelschule die Bildungsentscheidung mit 14 Jahren offenlässt. Es gibt auch bisher Hauptschulen, die mit Gymnasien mithalten können.

In den neuen Mittelschulen stehen zwei Lehrer in der Klasse, in den AHS nur einer. Haben Sie nicht Angst, dass auch die Gymnasien mehr Geld für Lehrpersonal wollen?

Das wird man sehen. Sollte diese Forderung kommen, dann werden wir uns ansehen, ob ein derartiger Ausbau sinnvoll ist.

Der Ausbau der Neuen Mittelschule wird jährlich 130 Millionen Euro kosten. Woher kommt das Geld?

Finanzminister Josef Pröll wird das Geld zur Verfügung stellen, sobald es zu einer entsprechenden Einigung mit der SPÖ kommt. Wenn wir eine gute Schule haben wollen, dann kostet das natürlich Geld. Wir brauchen endlich eine breite Allianz für Bildung. Ich gehe davon aus, dass auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied einiges in unserem Konzept findet, das sie umsetzen will.

Worin sehen Sie ein konkretes Angebot an die SPÖ?

Etwa im Ausbau der Neuen Mittelschule.

Schmied will doch etwas ganz anderes. Nämlich, dass die Neue Mittelschule nicht parallel läuft, sondern die AHS-Unterstufe gänzlich ersetzt.

Aber sie will auch den Ausbau. Die ÖVP ist der SPÖ entgegengekommen, jetzt werden wir verhandeln.

Zur Person

Beatrix Karl (42) ist seit einem Jahr Wissenschaftsministerin und hat das ÖVP-Bildungskonzept parteiintern koordiniert. Ihre eigene Idee von der gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, für die sie von Parteikollegen heftige Kritik erntete, findet sich so nicht im Papier.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2011)