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Facebook gibt eigene Daten preis

Facebook gibt eigene Daten
(c) EPA (JOHN G. MABANGLO)
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Das soziale Netzwerk nennt erstmals Geschäftszahlen. Sie ergeben eine Marge von 30 Prozent. Goldman Sachs musste die Investorensuche beenden – wegen zu hoher Nachfrage.

Wien/Ag./Jaz. Von seinen Nutzern wünscht sich das soziale Netzwerk Facebook größtmögliche Offenheit. Jegliche Privatsphäre soll der Vergangenheit angehören – so lautet die Vision des Firmengründers Mark Zuckerberg.

Wenn es um das Unternehmen selbst geht, sieht die Sache jedoch ganz anders aus. Da ist Facebook mit der Herausgabe von Daten äußerst zurückhaltend. Über Umsätze und mögliche Gewinne gab es bislang nur Schätzungen.

 

Investor plauderte Geheimnis aus

Geändert hat dies nun die Investorensuche von Goldman Sachs. Wie berichtet, legte die US-Investmentbank in den vergangenen Tagen vermögenden Kunden das Angebot, in Facebook zu investieren. Bedingungen: Mindestens zwei Mio. Dollar (1,54 Mio. Euro) Investment und kein Verkauf vor 2013. Dafür erhielten die potenziellen Investoren erstmals ein paar Geschäftszahlen. Und da sich einer von ihnen nicht an die Verschwiegenheitsverpflichtung hielt, weiß nun auch die breite Öffentlichkeit, dass Facebook in den ersten neun Monaten des Jahres 2010 einen Umsatz von 1,2Mrd. Dollar und einen Gewinn von 355 Mio. Dollar erzielen konnte.

Von einer unabhängigen Stelle geprüft sind die Zahlen zwar nicht, aber sie beflügelten dennoch die Fantasie der Investoren. So musste Goldman Sachs laut Insidern die Suche nach Interessenten einen Tag früher abbrechen als erwartet– wegen zu großer Nachfrage. Und auch jene, die bereits zugesagt haben, bis spätestens kommenden Dienstag die zwei Mio. Dollar zu überweisen, dürften nun deutlich weniger Anteile erhalten als ursprünglich zugesagt.

Was Facebook mit den eingenommenen zwei Mrd. Dollar – neben den 1,5 Mrd. kommen weitere 450 Mio. von Goldman Sachs selbst und 50 Mio. von der russischen Beteiligungsgesellschaft Digital Sky – vorhat, gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Das Geld dürfte teilweise in die weitere Expansion des inzwischen auf 700 Millionen Mitglieder angewachsenen Netzwerkes gesteckt werden. Zum Teil dürften Gründer Zuckerberg und seine Geschäftspartner aber auch ihr auf 6,9 Mrd. Dollar geschätztes Vermögen von Facebook-Anteilen in echte Dollar wechseln wollen.

 

Kommt Börsegang 2012?

Von Beobachtern wird das Ganze nur als Vorbereitungshandlung für den bereits seit Längerem für 2012 erwarteten Börsegang gesehen. Ab dann dürfte Facebook mehr als 500 Investoren haben und Geschäftszahlen veröffentlichen müssen – was bisher als Argument gegen einen Börsegang galt.

Dass das Papier bei einem Börsegang einen ähnlichen Hype wie einst Google auslösen wird, gilt als sicher. Dennoch gibt es auch Kritiker, für die die aktuelle Bewertung in Höhe von 50 Mrd. Dollar zu hoch ist. So meint etwa der deutsche Investor Thomas Heilmann – bis Ende 2010 ein Facebook-Gesellschafter –, er würde zurzeit nicht wieder einsteigen.

Andere Experten verweisen wiederum darauf, dass Google an der Börse immer noch viermal so viel wert ist und Facebook stärkeres Wachstum bei ähnlicher Profitabilität aufweist. „Bei der Bewertung gibt es daher noch Luft nach oben“, sagt etwa Lars Hinrichs, Gründer des Business-Netzwerks Xing.

Auf einen Blick

Facebook nannte gegenüber potenziellen Investoren erstmals Geschäftszahlen. Demnach wurde in den ersten neun Monaten 2010 ein Umsatz von 1,2 Mrd. Dollar und ein Gewinn von 355 Mio. Dollar erzielt. Das ergibt eine außerordentlich hohe Marge von fast 30Prozent. Die Nachfrage exklusiv von Goldman Sachs kontaktierter Anleger war daher höher als erwartet. Ein Börsegang dürfte laut Beobachtern 2012 stattfinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2011)