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Mossad-Chef: Iran noch bis 2015 atomwaffenfrei

MossadChef Iran noch 2015
(c) EPA (ABEDIN TAHERKENAREH)
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Gründe für die Verzögerungen sind technische Probleme und Sanktionen des Westens. Der Zeitpunkt könne sich sogar verschieben, sollte der Druck des Westens anhalten.

Teheran/Tel aviv/Budapest/Ag. Ist der Iran derzeit gar nicht in der Lage, eine Atombombe zu bauen? Nach Einschätzung des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad wird Teheran vor 2015 nicht im Besitz von Atomwaffen sein. Das bestätigte der scheidende Chef der Behörde, Meir Dagan, am Freitag vor einem Parlamentsausschuss. Der Zeitpunkt könne sich sogar verschieben, sollte der Druck des Westens anhalten.

Dagan riet daher von einem Angriff auf die iranischen Atomanlagen ab – dieser sei nur ratsam, sollte Israel angegriffen werden oder direkter Gefahr ausgesetzt sein. Auch der israelische Vizepremier Moshe Yaalon nahm jüngst davon Abstand, einen einseitigen Militärschlag Israels zur Sprache zu bringen. Wegen technischer Schwierigkeiten und der vom Westen ergriffenen Maßnahmen und Sanktionen habe der Iran derzeit gar nicht die Fähigkeit, eine eigene Atombombe herzustellen, versicherte Yaalon.

 

EU lehnt Inspektion ab

Unterdessen lehnte die Europäische Union ein Angebot des Iran ab, seine Atomanlagen zu besichtigen. EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte, dass ein Besuch von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vorgenommen werden müsse. „Es gibt einen laufenden Prozess. Ich hoffe, der Iran lässt die IAEA ihre Arbeit ungestört verrichten.“ Teheran hatte der EU, Russland, China, Ägypten, Kuba und Ungarn als einzigem westlichen Land Anfang der Woche überraschenderweise angeboten, seine Nuklearanlagen zu besichtigen. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA, die neben Russland und China mit dem Iran über sein umstrittenes Atomprogramm verhandeln, hatten keine Einladung erhalten.

Der amerikanische Außenministeriumssprecher Philip Crowley bezeichnete die gezielten Einladungen Teherans als einen „cleveren Trick“. Der Iran würde versuchen, einen Keil in die internationale Gemeinschaft zu treiben. Ende Jänner sollen die Gespräche über das iranische Atomprogramm in Istanbul fortgesetzt werden. Bei Verhandlungen im Dezember blockierte Teheran die Forderungen nach einem Stopp der Urananreicherung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2011)