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Der Cannes-Sieger ­„Triangle of Sadness“ macht eine Luxusjacht zum wirren Narrenschiff.
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„Inequality Entertainment“

Ungleichheit in Film/TV: Beletage gegen Souterrain

Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich hat ein eigenes Genre begründet: Filme und Serien über Ungleichheit sind enorm beliebt.

Ungleichheit liegt voll im Trend. In der realen Welt, wo die sprichwörtliche Schere zwischen Arm und (Super-)Reich Jahr für Jahr weiter aufgeht – jedes echte, nicht metaphorische Schneidwerkzeug wäre längst an seine mechanischen Grenzen geraten. Und in der Unterhaltungsbranche, wo das Bewusstsein für den Frust des Publikums über die Kluft zwischen den „Haves“, den „Have-a-little-bits“ und den „Have-nots“ eine Welle des „Inequality Entertainment“ ausgelöst hat. Gemeint sind kommerziell ausgerichtete Filme und Serien, die die Unbilden der modernen Klassengesellschaft nicht nur beiläufig, sondern ausdrücklich zum Thema machen – mit jeweils unterschiedlichen Ansprüchen und Absichten. Schwer zu sagen, wann genau sich dieses Genre als solches verstetigt hat. Seine ­politischen Wurzeln lassen sich bis zur Occupy-Wall-Street-Bewegung zurückverfolgen, die den Umstand ungleicher Vermögensverteilung 2011 mit dem Slogan „We are the 99 percent“ auf ein prägnantes begriffliches Gegensatzpaar brachte.

Den Ausdruck „One-Percenter“ kannte man bis dahin vor allem als Rufname einer renitenten US-Biker-Subkultur. Heute steht er primär für Mitglieder einer statistisch abgegrenzten Oberschicht, die von „unten“ argwöhnisch bis ablehnend beäugt wird. Skandale wie der „Panama Papers“-Leak und die Krisenkaskaden der letzten Jahrzehnte haben soziale Diskrepanzen in puncto Besitz und Handlungsmacht noch stärker als gewohnt ins öffentliche Licht gerückt. Früher oder später musste die Popkultur darauf reagieren. Wobei ihre Auseinandersetzung mit Ungleichheit heute anders ausfällt als etwa zuzeiten der Weltwirtschaftskrise der frühen 1930er-Jahre: Damals suchten Komödien über findige Habenichtse den Armen und Deklassierten die geraubte Würde zurückzugeben, während linkes Agitprop-Kino pathetisch zum Klassenkampf blies. Der Blick zeitgenössischer Ungleichheits-Narrative ist ganzheitlicher: Mit Vorliebe malen sie dialektische Sittenbilder über die komplexe Wechselbeziehung von Arm und Reich, oft in tragikomisch-satirischem ­Tonfall.