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OWN: Oprahs Hausfrauensender

Oprahs Hausfrauensender
Oprah(c) AP (Chris Pizzello)
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Talk-Show-Queen Oprah Winfrey lancierte ihren eigenen TV-Sender. Das Oprah Winfrey Network vermittelt Lebenshilfe in allen Belangen.

Erst hatte sie die Panik befallen, sie würde ihren eigenen Sender in dem Wust des Kabelsalats im Großraum Los Angeles nicht finden – und dem Stammpublikum ihrer Show im Rest der USA könnte es ebenso ergehen. Danach war sie allerdings ganz überwältigt von sich selbst und ihrem Wagemut, zugleich gepackt vom Trauma ihrer Kindheit im von Rassismus und Armut geplagten Mississippi – in einer Stadt, „die niemand buchstabieren kann“. „Ich dachte daran, wie ich auf dieser staubigen, roten Straße stand, vor einem Sears & Roebuck-Laden in ein Fernsehgerät glotzte und meine Oma fragte, ob ich so ein Ding haben könnte. Sie sagte: ,Nein, das ist das Werk des Teufels.'“

Typisch Oprah Winfrey: Ohne Drama und Tränen, ohne Ups und Downs geht es bei ihr selten. Nach mehrmaligem Aufschub hat die Talk-Show-Queen zu Jahresbeginn ihren eigenen TV-Sender lanciert, der obendrein ihren Namen trägt – und das doppeldeutige Kürzel OWN. Das Oprah Winfrey Network ist ein Gemeinschaftsprodukt ihrer Produktionsfirma Harpo mit dem Discovery Channel, der rund 200 Millionen Dollar in das TV-Experiment gesteckt hat. Der Titel geht übrigens auf Winfreys Lebensgefährten Stedman Graham zurück. Vor bald 20 Jahren hat er ihn auf einen Zettel gekritzelt, als die Primadonna des Nachmittagsfernsehens wieder einmal über die Qualität der TV-Shows im Lande lamentierte.


Geheimnisse und Wunder.
Bei einem Jahreseinkommen von zuletzt 315 Millionen Dollar und einem geschätzten Vermögen von fast drei Mrd. Dollar zögerte die bald 57-Jährige lange mit der Umsetzung ihrer Vision. Sie scheute das Risiko, sie hatte ja beinahe alles in ihrem Imperium: die „Oprah Winfrey Show“ auf ABC, den Radiosender, das Printmagazin „O“. Jetzt alsoein eigener Kabelkanal, während ihre Talkshow mit großem Pomp in der 25. Saison dem Finale zustrebt. Gerade erst vor Weihnachten hat sie ihre treuesten Fans nach Australien entführt, in einem TV-Interview mit Barbara Walters dementierte sie die Gerüchte um eine lesbische Beziehung mit ihrer besten Freundin Gayle King, ihrem Alter Ego. Dass Kings Radioshow demnächst via OWN über die Bildschirme flimmert – wer wollte daraus eine private Soap Opera konstruieren?

Oprah versammelt in ihrem Programm Lebensratgeber in allen Belangen wie Dr. Phil, den Psychologen, den Mediziner Mehmet Oz, die Finanzexpertin Suze Orman oder Dr. Laura Berman, die mit patenten Beischlaftipps zur Stelle ist – allesamt Geschöpfe des Oprah-Universums.

Es gibt Kochsendungen zuhauf, Einrichtungstipps und allerlei Esoterik – Fernsehen zum Wohlfühlen eben, das nach dem Credo Winfreys inspirieren soll. Da dürfen „Mysteries“ und „Miracles“ nicht fehlen, Geheimnisse und Wunder, tränendrückende Schicksale und Zeugnisse erbaulicher Mitmenschlichkeit. In „Master Class“ berichten Stars von ihren Erfolgsrezepten, „Kidnapped by the Kids“ entreißt Eltern aus ihrem Arbeitsalltag.

Der Blick hinter die Kulissen der „Oprah Winfrey Show“ bleibt vorerst Quotenhit: Wie ihr Idol mit Schoßhund Sadie auf dem Arm minuziös seine Sendungen konzipiert – daran können sich Amerikas Hausfrauen nicht sattsehen. Als Pausenfüller läuft „Die Farbe Lila“, Spielbergs Sklavenepos mit Winfrey in der Oscar-nominierten Nebenrolle.

Bald schon sollen Promis mit der Patina verblassenden Glanzes einen Hauch von Glamour versprühen: Sarah Ferguson, die Herzogin von York („Fergie“), Ryan O'Neal und seine entfremdete Tochter Tatum oder das Schandmaul Rosie O'Donnell räsonieren in eigenen Shows über Selbsterfahrung. Als Premierengast von Piers Morgans CNN-Talk-Show, dem Larry-King-Nachfolger, wird Oprah Winfrey sie indes spielend in den Schatten stellen.

Das Oprah Winfrey Network (OWN) ist symbolträchtig am 1. 1. 2011 mit einer Reihe von Ratgebersendungen an den Start gegangen. Es ist ein Joint Venture von Winfreys Produktionsfirma Harpo und dem Discovery Channel.

Die Talk-Show-Moderatorin wird sich erst nach dem Auslaufen ihrer „Oprah Winfrey Show“ im Herbst voll auf ihre neue Aufgabe stürzen.

OWN bietet Promis wie Sarah Ferguson oder Ryan O'Neal eine Plattform.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2011)