Martin Suters neuer Krimi: lieblose Fingerübung

Der Start von Martin Suters neuer Krimireihe ist eine lieblose Fingerübung.

Martin Suter ist ein Phänomen. Sein Roman „Der Koch“ nimmt auf manchen Bestsellerlisten auch ein Jahr nach dem Ersterscheinungstag einen der vordersten Plätze ein, da schüttelt der einstige Werber, der längst vom Schreiben leben kann, einen neuen aus dem Ärmel.

Und von Schütteln kann tatsächlich die Rede sein. Das Buch ist deutlich dünner als die vielen davor – und hinterlässt den treuen Suter-Fan enttäuscht. Schon wieder ein alleinstehender Mann mit einem Faible für teures Essen, edle Kleidung, lange Fernreisen. Schon wieder ein Mann aus gutem Hause mit großem Erbe – diesmal aber einer, der dieses Erbe längst durchgebracht hat und mittlerweile im Gartenhaus lebt. Nur das Opernpremierenabonnement – Parkett Mitte, fünfte Reihe –, das schon sein Vater besaß, behält er um jeden Preis. Schon wieder eine junge Frau, von der sich die Hauptfigur Johann Friedrich von Allmen verführen lässt.

Die Geschichte rund um Allmen und die teuren Gallé-Vasen, die seinen finanziellen Engpass zumindest kurzfristig überbrücken könnten, plätschert vor sich hin. Langweilig, ohne sprachliche oder erzählerische Höhepunkte. Das war bei Suter nicht immer so. Sein erster Roman „Small World“, der soeben mit Gérard Depardieu verfilmt wurde, war packend von der ersten bis zur letzten Seite. Auch „Ein perfekter Freund“ war große Unterhaltungsliteratur. Die jüngsten Geschichten von Suter heben sich aber nicht mehr voneinander ab, die Figuren ähneln einander, die Handlungsstränge ebenso.

Vielleicht ist das aber auch Absicht. Zumindest würde es erklären, warum Suter mit seiner neuen Figur Allmen nun eine Ermittlerfigur geschaffen hat, die er ab sofort einmal im Jahr einen neuen Kunstkrimi aufdecken lassen will. Dem Diogenes-Verlag ist das nur recht. Bei Donna Leon klappt das mit dem jährlichen Krimi ja auch hervorragend. Der Schweizer Verlag hat für die Figur Allmen und Suters Krimireihe sogar eine eigene Homepage erstellt. Dort kann man sich über Allmens Werdegang und Vorlieben informieren und einen Blick in seine Bibliothek werfen. Seine Lieblingswerke? Maigret und Balzac. Erschienen bei Diogenes.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2011)

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