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Pizzicato

Wem es in der Küche zu heiß ist

Ob die vierte Jahreszeit, in der wir angeblich mittendrin stecken, noch den Namen Winter verdient, darüber ließe sich streiten.

Und darüber, ob die aperen Hänge, über die sich ein schmales Schneeband zieht, nicht eine ästhetische Zumutung für die Wintersportler sind. Die Bilder aus den alpinen Gefilden muten nicht allein für den Wintertourismus wie eine Dystopie an.

Der Klimawandel gäbe also genug Stoff für hitzige Debatten. Nicht in Österreich, nicht im rot-weiß-roten Skiverband. Da richtet Peter Schröcksnadel, Ex-ÖSV-Chef und Ski-Zampano aus Tirol, einem seiner handverlesenen Nachfolger über den Arlberg hinaus ruppig aus, er möge doch erst einmal seinen eigenen Laden schupfen, bevor er sich um andere Angelegenheiten kümmere. Patrick Ortlieb, ÖSV-Vizepräsident und Hotelier in Oberlech, seines Zeichens Olympiasieger und Weltmeister in der Abfahrt, solle – salopp formuliert – zuerst die Küche seines Hotels in Schuss bringen. Ortlieb – zudem Vater einer Abfahrerin des Nationalteams – hat es gewagt, die Skidamen in Grund und Boden zu stampfen.

Für Schröcksnadel grenzte das an Majestätsbeleidigung, und er ließ mächtig Dampf ab, dass der Kochtopfdeckel in die Luft flog. Ortlieb ist indes zu sehr Gentleman, um zu kontern: Wem es in der Küche zu heiß ist . . . Er ist eben lieber Küchenchef als Kellner. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2023)