Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Seit zehn Jahren arbeitet Anuranga als Fahrer.
Premium
Reportage

Die "Beach Boys" von Sri Lanka

In Reiseführern und Blogs wird eindringlich vor ihnen gewarnt, vor den „Beach Boys“, die auf Sri Lanka Urlaubsgäste ansprechen. Von ihrem Alltag, der von globalen und lokalen Krisen geprägt ist, erzählen Chami und Anuranga.

Ich lüge manchmal. Wenn ich keine Lügen erzähle, reden die Leute am Strand nicht mit mir.“ Chamis Gesicht ist ernst. Er nickt uns zu, und wir greifen zu den Tassen, die vor uns auf dem Couchtisch stehen. Der Tee schmeckt würzig. Seine milde Süße verdankt er Jagara, dem Palmzucker. Auf dem Sofa in Chamis Wohnzimmer haben wir Platz genommen, um mehr über ihn und seine Arbeit zu erfahren. „Das ist mein Beruf. Ich spreche Touristen an und zeige ihnen etwas. Ich bringe sie zum Beispiel in den Kräutergarten oder zur Mondstein-Mine.“

Auf diese Weise haben wir Chami auch kennengelernt. An unserem ersten Nachmittag am Strand von Ahungalla im Südwesten Sri Lankas hat er uns angesprochen und sich geschickt durch unser abweisendes Verhalten manövriert: Dort, wo wir untergebracht sind, arbeite er als Koch, heute sei sein freier Tag. Und Österreich, ja, in Wien, da habe er einen Freund, einen Schriftsteller, der vor ein paar Jahren hier gewesen sei. Bis heute würden sie einander schreiben. Sowohl der Name als auch die Buchtitel, die er uns nennt, sind uns bekannt. Wir fassen Vertrauen. Schließlich verspricht uns der Mann mehrmals, dass es nichts kosten würde. „Kein Geld, kein Geld.“

Wir haben kaum eingewilligt, da fährt schon ein grünes Tuk-Tuk vor. Nach wenigen Minuten biegen wir von der belebten Galle Road in eine Seitenstraße und halten vor einer Mauer, von der ein Schild mit der Aufschrift „spice garden“ baumelt. Wir geraten in den Redefluss eines Mannes, der uns am Tor in Empfang nimmt. In einer gemauerten Laube nehmen wir auf Holzbänken Platz. Uns gegenüber sitzt der Mann auf einem Plastikstuhl und redet noch immer. Wir bekommen Tee serviert und allerhand Fläschchen vorgeführt: Dieses Mittel sei gut bei Leberbeschwerden, dieses wiederum bei Haarausfall.

Schließlich kündigt der „Doktor“, wie er uns am Eingang vorgestellt wurde, an, seine wissenschaftlichen deutschsprachigen Grundlagen offenzulegen. Bei „German speaking“ werden wir hellhörig: Sollte es sich bei den Lehren von Ayurveda nicht eher um Sanskrit oder, wenn zeitgenössischer und regionaler, zumindest um Sinhala oder Tamil handeln? Hervor zaubert unser „Doktor“ ein zerfleddertes Exemplar des Sachbuch-Bestsellers „Darm mit Charme“.