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Mein Samstag

Zu Gast bei den Beckhams

Etwas verspätet darf ich mich an dieser Stelle im neuen Jahr an- und bei Ihnen zurückmelden. Einige Fragen aus dem alten Jahr nehme ich auch in dieses noch junge, neue mit: Warum darf man bei den Bussen der Wiener Linien immer noch nicht vorn einsteigen?

Oder auch: Wieso zeigen mir Instagram und Facebook trotz sonst bedenklich treffsicherer Algorithmen immer wieder Videos und Werbungen an, die ganz weit außerhalb meiner Komfortzonenblase – Eislaufen, London-Fernweh, Katzen, Kaffeetrinken – sind? So habe ich ungewollt so oft im Hause Beckham vorbeigeschaut, dass ich mich mittlerweile in der feschen Beckham'schen Küche ganz gut zurechtfinden würde. Aber natürlich ist man da auch selbst schuld: Bleibt man einmal bei Mr.-Beckham-backt-im-Superheldenkostüm picken, wird man mit ähnlichem Content überschüttet.

Eine Zeit lang war ein blonder Mann Stammgast in meinem Smartphone, der Tanzschritte vorführte und dabei aus mir nicht restlos nachvollziehbaren Gründen mit den Händen ein Herz formte. Der Herz-Tanz-Mann war jetzt einige Zeit weg. Dass ich ihn vermisst habe, wäre zu viel gesagt, aber es gab da schon eine Sekunde Wiedersehensfreude (sehr einseitig nur meinerseits), als er jetzt plötzlich wieder durch mein Handy getanzt ist. Herzen formt er derzeit nicht, weil er eine Frau beim Tanzen in Händen hält. Mitgetanzt habe ich nie, obwohl seine Instruktionen relativ einfach aussehen, und doch traut mir Instagram Größeres zu: Ziemlich akrobatische Handstand-Übungen nämlich, die angeblich jede und jeder schafft, wenn sie oder er nur auf den angefügten Link klickt.

Die Freude mache ich aber keinem Werbeanbieter, lieber schaue ich kurz bei den Beckhams vorbei oder bei Harry Styles, der sich sehr beharrlich in meiner Timeline aufhält (was sich vielleicht mit der großen Begeisterung des Kindes für den Sänger erklären lässt). So habe ich digital schon mehrere Styles-Konzerte besucht, das (reale) Konzert in Wien ist ohnehin ausverkauft. Auf das hat mich Instagram nämlich leider nicht hingewiesen. In diesem Sinne: Scrollen Sie nicht zu viel, tanzen Sie lieber! Es ist gerade Ballsaison!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2023)