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Musikverein

Mahlers Schwierigste, unterschiedlich bewältigt

Die Wiener Philharmoniker unter Andris Nelsons mit Gustav Mahlers anspruchsvoller Siebten Symphonie: ein Versuch, ihr u. a. mit kräftigem Pomp und drängender Kraft beizukommen.

Mahlers ungewöhnlich auf fünf Sätze ausgebreitete Siebte zählt zu seinen herausforderndsten Symphonien. Vielen Interpreten gilt sie als die schwierigste. Das ist ein Grund, weshalb man sie relativ selten im Konzert hört. Allein der Schlusssatz gibt Rätsel auf. Kündigt sich aus der bis dahin dominierenden nächtlichen Atmosphäre die Helle des Tages an, ist es gar ein „Tagstück voll blendender Helle“, wie frühe Mahler-Exegeten meinten? Wie aber lässt sich dies mit dem Rückgriff auf die düstere Hauptthematik des Kopfsatzes am Ende dieses Satzes in Einklang bringen? Soll man bei der Erklärung dieses Symphoniefinales besser Theodor W. Adorno folgen? Er konstatiert bei diesem von Zerrissenheit geprägten Symphonieschluss ein Missverhältnis zwischen „prunkvoller Erscheinung und dem mageren Gehalt des Ganzen“.

Andris Nelsons suchte diesem komplex erdachten, sich mit immer neuen Anläufen präsentierenden Rondo-Finale vor allem mit drängender Kraft beizukommen. Eine Lesart, die ihre Wirkung nicht verfehlte, die unterschiedlichen Sphären dieses mit Wagner- und Janitscharen-Musik-Anklängen pointiert gespickten Satzes aber zugunsten eines größeren Ganzen diminuierte. Ein Zugang, den der lettische Dirigent (wenigstens bei der ersten Aufführung am Freitag) schon für den von ihm gleichfalls mit meist kräftigem Pomp zelebrierten Stirnsatz wählte. Bereits hier hätte man sich ein durchsichtigeres Klangbild gewünscht und eine differenziertere Dynamik. Dies hätte auch der Spannung gutgetan, die mit einem eher pastösen Musizierstil kaum erreichbar ist. Die schmerzhafte, zuweilen fragile Attitüde dieses Symphoniebeginns, bei der die Bläserbalance einiges zu wünschen übrig ließ, wurde derart nur am Rande getroffen.