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Mein Montag

Bei völliger Ahnungslosigkeit trotzdem etwas sagen müssen

Dazu kann ich jetzt leider nichts sagen. Aber ich möchte trotzdem etwas loswerden. Irgendwas.

Ab und zu muss es einfach raus. Dass es nämlich vor allem Kleinigkeiten sind, die uns besonders aufregen. Vielleicht haben Sie ja auch eine Sammlung mit Beispielen angelegt. Hier kommen ein paar Dinge, die sich auch bei Ihnen wiederfinden könnten.

1) Leute, die keine Ahnung haben, aber unbedingt etwas sagen müssen. Besonders oft findet man sie im Internet. Wenn etwa in einem Forum eine sehr spezielle und detaillierte Frage zu einem Produkt gestellt wird. Und dann kommt: „Dazu kann ich leider nichts sagen, aber der Schwager meiner Oma trägt diese Socken sehr gern.“ Ja, vielen Dank. Das hilft schon sehr weiter.

2) Leute, die bei Podiumsdiskussionen alle begrüßen müssen. Da läuft eine angeregte Debatte – die immer unterbrochen wird, sobald ein Teilnehmer zum ersten Mal an die Reihe kommt. „Guten Abend auch von meiner Seite!“ Ähnlich übrigens nach Wahlen, wenn jeder Kandidat sich zuerst „bei allen Wählern und Wählerinnen ganz herzlich bedanken“ muss. Bitte schweigt!

3) Leute, deren Namen mit einem Zischlaut enden. Ja, ganz genau. Denn versuchen Sie einmal, dann einen Genitiv zu bilden. Einfach ein -s anhängen? Geht nicht. Und so endet das dann eben mit wackligen Konstruktionen wie Max' Auto, Iris' Haus oder Beatrix' Hund. Und den österreichischen Genitiv „dem Max sein Auto“ und ähnliche Varianten bekommt man in der geschriebenen Sprache leider nicht durch. Bitte heißt anders, damit man den Genitiv gescheit bilden kann!

4) Leute, die „scheinbar“ sagen, wenn sie „anscheinend“ meinen. Die sind ähnlich schlimm wie die, die „seid“ und „seit“ nicht unterscheiden können. Und wenn wir schon dabei sind: Leute, die vor einer Jahreszahl „in“ schreiben. Macht das in 2023 bitte nicht mehr!

5) Leute, die sich ständig über Kleinigkeiten aufregen.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2023)