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Recruiting-Report

Qual der Wahl: Berufseinsteigende in starker Verhandlungsposition

Unternehmen müssen sich angesichts des Fachkräftemangels um Beschäftigte bemühen. Denn: 73 Prozent der Berufseinsteigenden erhielten „mehrere Jobangebote pro Jahr“. Diese haben keinen Skrupel, hohe Anforderungen zu stellen.

Durch den Personalmangel in vielen Branchen sei für Beschäftigte einiges leichter geworden, zeigt ein Recruiting-Report der Boston Consulting Group (BCG). Unter anderem, zu verhandeln: So sehen sich 61 Prozent der Berufstätigen in einer starken Verhandlungsposition gegenüber dem potenziellen Arbeitgeber. Zwei Drittel würden auch einen äußerst attraktiven Job bei negativen Erfahrungen während der Bewerbung ablehnen. Für den Report wurden 90.000 Berufstätige aus 160 Ländern befragt, davon 1.000 aus Österreich.

Der österreichische Arbeitsmarkt ist in Bewegung - im Dezember 2022 lag die Arbeitslosenquote gemäß AMS in Österreich bei rund 7,4 Prozent. Damit sank sie gegenüber dem Vorjahresmonat, aber stieg gegenüber dem Vormonat. Parallel dazu sind viele bereit, ihren Arbeitgeber zu wechseln: 80 Prozent würden ihren Job für ein interessanteres Angebot aufgeben. Rund ein Drittel sei sogar „aktiv auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung“.

Die meisten wollen Vollzeit arbeiten

Unter der Bezeichnung „New Work“ subsummiert sich eine Reihe an Anforderungen, die Junge vermeintlich an ihre zukünftigen Arbeitgeber stellen. Dazu zähle unter anderem eine stabile Work-Life-Balance und gute Entlohnung. „Um den Wettlauf um die besten Talente für sich zu entscheiden, müssen Unternehmen die Bedürfnisse neuer Mitarbeitender gut kennen und den Recruitingprozess darauf zuschneiden“, sagt BCG-Österreich-Chef Lukas Haider.

Die meisten Befragten in Österreich wollen Vollzeit arbeiten - zwei Drittel sprachen sich für eine Fünf-Tage-Woche aus. 26 Prozent würden lieber in Teilzeit - zwischen drei und vier Tagen pro Woche - tätig sein. Insgesamt geben nur 14 Prozent weltweit an, in einer Teilzeitanstellung sein zu wollen.

Also nicht weniger - wie ihnen oft nachgesagt wird - sondern anders, beispielsweise flexibler. Eine große Mehrheit von 72 Prozent sei nicht mehr willig, auf hybrides Arbeiten zu verzichten. Home-Office ist gekommen, um zu bleiben: „Flexibilität im Hinblick auf Zeit und Ort der Arbeit ist für österreichische Talente wichtig, mehr als im weltweiten Durchschnitt“, betont StepStone-Österreich-Chef Nikolai Dürhammer.

Flexible Arbeitszeitmodelle und Home-Office anzubieten, seien für Unternehmen „gewinnbringende Assets, um bei Bewerbenden zu punkten“. Aber nur fünf Prozent könnten sich hierzulande vorstellen, ausschließlich remote zu arbeiten - international halten das elf Prozent für erstrebenswert.

Arbeiten, um zu leben - nicht umgekehrt

Der Anspruch von Jungen laute viel eher: einen sicheren Arbeitsplatz zu haben, bei dem man nicht alle Interessen in den Hintergrund rücken muss und auch noch Freizeit haben darf. „Die meisten Arbeitnehmer wollen nicht mehr leben, um zu arbeiten. Sie wollen arbeiten, um zu leben“, beschreibt Dürhammer die Vorstellungen der Befragten vom optimalen Arbeitsplatz.

An zweiter Stelle rangiere die Möglichkeit zur beruflichen Weiterentwicklung in einem guten Unternehmen. Dahinter folge die Arbeit an spannenden Produkten, Themen und Technologien. 15 Prozent wollen sich der Erhebung zufolge in verschiedenen Berufen weiterbilden. Nahezu ein Viertel träumt davon, sich ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Das ausschlaggebende Kriterium bei der Entscheidung für oder gegen ein konkretes Stellenangebot ist schließlich, und wie bisher: das Gehalt.

Ganz im Gegenteil zur vermeintlichen Faulheit steht der Anteil jener, die - zusätzlich zu einem festen Job - Interesse an einem Nebenerwerb haben. Der Anteil liegt in Österreich bei fast einem Drittel, in den anderen Ländern wollen das im Schnitt nur 16 Prozent.

(red/est)