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Neu im Spectrum

Mit dem „Lieferdienst“ in die geheimen Ecken Wiens

Teresa Präauer greift die alte „Presse“-Tradition des Fortsetzungsromans auf und interpretiert sie neu.
Teresa Präauer greift die alte „Presse“-Tradition des Fortsetzungsromans auf und interpretiert sie neu.Die Presse/Clemens Fabry
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„Man kann schwer einen Roman schreiben, wenn man das Tafelsilber putzen muss.“ Teresa Präauer, die ab nächster Woche für das „Spectrum“ einen Fortsetzungsroman mit dem Titel „Lieferdienst Wien“ schreibt, über Pizza, Mjam-Fahrer und bürgerliche Esskultur.

Ihr Roman in Serie handelt vom Alltag der Fahrradkuriere in Wien. Wie oft bestellen Sie selbst?
Oft genug, um mir Gedanken darüber zu machen: Wie funktioniert die Übergabe, wie gibt man Trinkgeld, wie lange dauert der Vorgang vom Bestellen bis zur Lieferung? Was passiert in der kurzen Zeit, in der man sich begegnet, dieser eine Moment zwischen zwei Menschen? Aber mehr noch beobachte ich sie in den Straßen, man bemerkt sie ja nolens volens mit ihren bunten Farben und ihren E-Bikes. Man ärgert sich über sie, weil sie den Verkehr aufhalten und sich nicht immer an die Regeln halten. Andererseits weiß man doch, wie wenig diese Rider verdienen, dass sie oft nicht angestellt sind, sondern als freie Dienstnehmer arbeiten. Es sind ganz unterschiedliche Menschen. Studierende oder solche, die erst vor Kurzem eingewandert sind, Leute, die gerne Rad fahren, und andere, die eine große Familie ernähren müssen.


Diese Lieferdienste haben sprunghaft zugenommen in den vergangenen Jahren.

Auch durch die neuen Online-Plattformen. Ich bin auf dem Weg in „Die Presse“ an schrulligen Lokalen vorbeigekommen, die Namen tragen wie „Café Fort Knox“ oder „Das Gmiatliche Eck“. Selbst die kleinen Tschocherl haben mittlerweile oft einen Lieferdienst, und so sind diese Orte verknüpft mit privaten Wohnungen, auch mit Unternehmen, deren Angestellte und Mitarbeiterinnen sich mittags ihr Essen bestellen. Das ist wie ein Netz, das sich über die ganze Stadt legt. An dessen Fäden entlang bewegen sich die Fahrerinnen und Fahrer der Dienste. Das war meine Grundidee für den Fortsetzungsroman.


Die Fahrerinnen und Fahrer sind also die Hauptfiguren?

Ja, einigen von ihnen begegnen wir immer wieder. In jedem neuen Kapitel geht es um die Begegnung zwischen jemandem, der ausliefert, und jemandem, der bestellt hat. Wobei es vielleicht auch Menschen gibt, die häufiger Essen ordern – die lernt man im Lauf von 52 Kapiteln auch näher kennen. Und es gibt eine Zentrale, in der die Rider zusammenkommen. Einen Knotenpunkt.


Das Prinzip erinnert an Serien wie „High Maintenance“, wo ein Drogenkurier jedes Mal mit einem anderen Setting konfrontiert ist. Und wo auch jede einzelne Folge für sich selbst steht.

Oder „Der Tatortreiniger“, eine sehr gut geschriebene deutsche TV-Serie. Ein Mord ist passiert, der Tatortreiniger trifft auf die Spuren – und auf jemanden, der zufällig vorbeikommt und damit die eigentliche Arbeit unterbricht.


„Der Tatortreiniger“ spielt in Hamburg, „High Maintenance“ in New York – das hier wird ein Wien-Roman.

Man kann die Wege der Lieferanten mitverfolgen und dadurch etwas über die Straßen Wiens erfahren. Auch über die Ecken, die man sonst nicht kennenlernen würde. Mir hat es immer Spaß gemacht, systematisch die Stadt zu erkunden. Zu Silvester bin ich einmal mit Freunden für jeden Drink in ein anderes Lokal in der gleichen Straße gegangen. So sind wir in Branntweinschenken gekommen, die man sonst vielleicht meiden würde, wir sind in eine türkische Hochzeit geraten und paradoxerweise in ein Après-Ski-Beisl. Auch für die Stammgäste war das ein kleines Spektakel, man gafft sich gegenseitig an: Was führt denn euch hierher? Die untere Etage einer Stadt, das Erdgeschoß und das Souterrain, dort findet der Austausch statt, die Häuser öffnen sich. Für den „Lieferdienst Wien“ werde ich mit offenem Blick in der Stadt unterwegs sein. Es wird eine literarische Mischung aus Erfahrung, Recherche und Erfindung. Was glauben Sie übrigens, was am häufigsten bestellt wird?