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Alexandria Ocasio-Cortez, demokratische US-Abgeordnete, mit „Tax the Rich“-Slogan-Robe.
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Mode und Politik

Wie Staatsfrauen und Staatsmänner Ämter bekleiden

Die Ära der Visual Politics beruht auf der bildbasierten Kommunikation. Bekleidungsformen spielen als gut deutbare Bedeutungsebene hier eine zentrale Rolle. Das wissen manche Politikerinnen und Politiker auszunutzen. Vorabdruck aus einem Buch.

Bereits in der Sprache liegt die Möglichkeit eines Naheverhältnisses geborgen: Ob man nun ein Amt bekleidet oder staatstragend sein möchte, die Verbindung von Macht und zu Repräsentationszwecken angelegter Bekleidung ist eng. Zwar steht, streng genommen, der Staat in dieser Kombination nicht für eine Form der gesellschaftlichen Ordnung, sondern verweist, dem Ursprung des Wortes nach, auf etwas Prächtiges, Prachtvolles, das Stattliche. Gar zu viel prachtvolle Stattlichkeit ist aber ohnehin nicht mehr gefragt, wenn es heute um die Kleiderwahl von Staatsfrauen und -männern geht. Ein Repräsentationsgehabe, das in vergangenen Jahrhunderten noch anempfohlen gewesen sein mochte, würde sich in einer Ära oberflächlicher Bescheidenheitstopoi rasch als hinderliche Kommunikationsstrategie erweisen.

Die Zeiten, als in einem feudalen System nur die wenigsten ihre Herrschenden zu Gesicht bekamen und darum – wie übrigens potenzielle Ehepartnerinnen und -partner – mit Bildnissen vorliebnehmen mussten, die meist recht großen Interpretationsspielraum zuließen, sind in der medial übersättigten Gegenwartsgesellschaft zwar passé. Zugleich sollte man nicht annehmen, heute würden Bilder weniger verfälscht, manipuliert oder weniger kunstvoll inszeniert werden, um mit ihnen Eindruck zu schinden.