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Buchbesprechung

„Tage voller Zorn“: Ein Land auf der Kippe

(c) Lübbe-Verlag
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Der finnische Journalist Tuomas Oskari fragt in seinem spannenden Thriller „Tage voller Zorn“, ob der Sozialismus 3.0 die Welt retten könnte.

Finnland gilt seit Langem als eines der egalitärsten und stabilsten Länder der westlichen Welt. Nicht so im Jahr 2027. Wirtschaftskrisen und Sozialkürzungen treiben auch die Mittelschicht immer mehr in die Armut, reiche Eliten beuten das Land aus. Die Linke unter der charismatischen jungen Parteiführerin Emma Erola ist auf dem Vormarsch. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es zur Explosion kommt. Zwischen allen Fronten steht Leo Koski, der Marionettenpremier der Konservativen und Ziehsohn von Pontus Ebeling, dem mächtigsten Mann Finnlands.

Dann überschlagen sich die Ereignisse: Eine junge Frau verbrennt sich vor der Wohnung von Harri Holsti, Hotelbesitzer und Gönner der Nationalen Sammlungspartei. Sie wurde von Holsti vergewaltigt, ihre Anzeige unter den Tisch gekehrt. Leo Koski stellt sich zum ersten Mal gegen seine konservativen Unterstützer. Und die Linke bastelt im Geheimen an einem Projekt, das auf eine Revolution hinausläuft: der Wiedereinführung eines Sozialismus 3.0 auf Grundlagen, die von einer künstlichen Intelligenz ausgearbeitet wurden. Allerdings ist kaum jemand in „Tage voller Zorn“, was er oder sie scheint.

Der Wirtschaftsjournalist Tuomas Niskakangas schrieb als Tuomas Oskari einen Thriller, der den Finger auf die wunden Stellen einer immer ungleicheren Gesellschaft legt. Auch wenn „Tage voller Zorn“ literarisch Luft nach oben hat, regt dieser „Pageturner“ zum Nachdenken an. Denn simple Lösungen gibt es keine. DO

(c) Lübbe-Verlag

Tuomas Oskari: „Tage voller Zorn“, übersetzt von Anke Michler-Janhunen, Lübbe-Verlag, 572 Seiten, 24,70 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2023)