Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Lokalkritik

Unter 20 Euro: Café Nil

(c) Die Presse/Clemens Fabry
  • Drucken

Das kultige Café Nil in Wien-Neubau ist nach einer kleinen Pause wiederauferstanden: mit nettem Ambiente und sehr gutem Essen.

Zugegeben: Man kann nicht überall gleichzeitig sein. Weshalb über die Wiederauferstehung des Café Nil schon der eine oder andere schrieb, und das hat offenbar Wirkung. Nach einem guten halben Jahr Leerstand ist das einstige Kultlokal nämlich knallvoll mit jungen, hippen Menschen, die das ursprüngliche Nil wahrscheinlich bestenfalls aus Erzählungen kennen: ein halliges, irgendwie kühles Lokal, in dem man im Zigarettenrauch über Gruppenproseminararbeiten sinnierte, gemütlich eher nicht, aber halt immer da. Wie das Essen war: keine Ahnung, mehr als einen Tee leistete man sich damals selten.

Inzwischen hat sich einiges getan. Unter dem Motto Beständigkeit trifft Erneuerung haben die Brüder Mina und Bischoy Yaney das Nil umgestaltet: mit etwas Industrial Chic und recht einladend. Kühl ist da nichts mehr, zumindest nicht an einem Abend, an dem jeder Tisch besetzt ist. Dass es den Service da strudelt, ist nachvollziehbar – nach dem ersten Hype wird das wohl besser werden, außerdem macht eh ein Schildchen an der Türe darauf aufmerksam, dass man sich noch im Soft Opening befindet. Allzu ungeduldig sollte man jedenfalls nicht sein. Dafür hat man ausgiebig Zeit, die neue Karte zu studieren. Die versammelt auf den ersten Blick alles, was man in einem levantinischen Lokal erwartet: Hummus, Labneh, Falafelteller, Lammkebab. Auf den zweiten Blick wird's aber dann interessant: Küchenchefin Salwa Ghobrian, die Mutter der Betreiber, die ihre ägyptischen Wurzeln mit marokkanischen, jemenitischen und israelischen Einflüssen kombiniert, macht mit Smashed Baba Ganoush eine feine Variante des klassischen Auberginenpürees. Die Rind-Lamm-Köfte sind saftig, leicht scharf und noch dazu aus Biofleisch – und wirklich großartig sind die Kibbeh: superknusprige Bulgurkroketten, gefüllt mit würzig-zimtigem Rind.
Das Rätsel, warum der Salat hier ein Saladbag ist, konnte man angesichts des viel beschäftigten Service diesmal nicht lösen. Macht aber nichts: Selten gelingt eine sanfte Erneuerung so gut.

Café Nil, Siebensterngasse 39, 1070 Wien, Di-Fr 11-24h, Sa 10.30-24h, So 10.30-18h cafenil.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2023)