Analyse

Kitzbühel, das bittersüße Ski-Spektakel

APA/HANS KLAUS TECHT
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Ein einsamer Sieger und ein Debakel zum Abschluss: Für die Ski-Nation Österreich ging am Hahnenkamm auch einiges schief.

Auf den ersten Blick haben die ÖSV-Herren bei den Hahnenkammrennen, den für österreichische Athleten wohl schwierigsten des gesamten Winters, einen umjubelten Abfahrtssieg gefeiert, sich danach beim zweiten Streif-Klassiker innerhalb von zwei Tagen mannschaftlich beachtlich geschlagen und zum Abschluss im Slalom bis zuletzt um den Sieg gekämpft.
Bei genauerer Betrachtung aber haben die Rennen in Kitzbühel die Problemstellen der Ski-Nation aufgedeckt, tatsächlich ging bei der Gamsjagd einiges schief.

Abfahrtsteam. Vincent Kriechmayr triumphierte beim Abfahrtsauftakt, ein Rennen allerdings, das neben ihm nur noch ein weiterer Österreicher, Otmar Striedinger als 14., in den Punkterängen, also in den Top 30, beendete.

Daniel Hemetsberger, die Nummer zwei im Abfahrtsteam, ging erneut zu verbissen ans Werk und enttäuschte. Dass er tags darauf im zweiten Teil des Abfahrtsdoppels mit starken Knieschmerzen, dieses Mal also ohne große Erwartungen, prompt auf Platz acht raste, unterstrich diesen Befund eindrucksvoll.

Wie das Potenzial des erfahrenen Striedinger über mehrere Rennen hinweg ausgeschöpft werden kann – der Kärntner fuhr am Samstag trotz Erkältung auf Rang sechs – bleibt ein Rätsel.

Ebenso offen ist Österreichs Zukunft in der Königsdisziplin. Aktuell kann das Speedteam Ausfälle selbst aus der zweiten Reihe (Max Franz, Christian Walder, Daniel Danklmaier) nicht verkraften. Die vergleichsweise junge Garde an Europacupläufern, die mangels Alternativen ausgerechnet zur herausforderndsten Weltcupabfahrt nach Kitzbühel beordert worden war, stürzte sich mutig ins Geschehen, wirkte bei härter werdender Piste und schwierigeren Sichtverhältnissen aber zunehmend überfordert. Ebenso wie der eigentlich weltcuperprobte Stefan Babinsky (32., 43.). Julian Schütter, 24, zog sich auf der Streif auch noch einen Kreuzbandriss zu. Immerhin gab es am Hahnenkamm das Bekenntnis, die Europacup-Piloten weiter auch im Weltcup einzubauen.

Slalomteam. Winkend und unter dem Applaus der 20.000 Zuschauer vor Ort fuhr Manuel Feller noch ins Ziel des Ganslernhangs. Der Halbzeitführende im Kitzbühel-Slalom hatte im Finale gleich in der ersten Haarnadel eingefädelt. Daniel Yule aus der Schweiz erbte den Sieg, einmal mehr stahl auch der Brite Dave Ryding (2.) den Österreichern in Kitzbühel die Show.

Denn was Vincent Krichmayr für das Speedteam ist, ist Manuel Feller bei den Technikern – der letzte ÖSV-Läufer, der Österreichs Fahnen auf dem Weltcup-Podest hochhält. Fällt er wie an diesem Sonntag am Hahnenkamm aus, droht das Slalom-Debakel: Ein schlechteres Kitzbühel-Ergebnis gab es laut ORF zuletzt 1982.

Der Reihe nach: Johannes Strolz, Olympia-Silbermedaillengewinner im Slalom, steckt in einem Ausfallsteufelskreis (siehe Kommentar links), Vizeweltmeister Adrian Pertl (9.) bestreitet seine Comeback-Saison nach einem Kreuzbandriss, Fabio Gstrein (10.) fährt dem endgültigen Durchbruch weiterhin hinterher, für Michael Matt (19.) sind mit neuem Material (Augment) die Top Ten bisher außer Reichweite und Marco Schwarz (folgenschwerer Fehler im ersten Durchgang) machte zuletzt vor allem als vielversprechender Abfahrer Schlagzeilen.

Wie im Speedteam gilt auch im Slalom: Das einzige Zugpferd reißt noch niemanden so recht mit.

Ski-Allianz. Im Kitzbüheler Zielraum wurden die Risse, die durch die Skiwelt gehen, deutlich. Selbst die ÖSV-Führungsriege trat nicht geschlossen auf. Auf der einen Seite ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober, dicht gedrängt mit ihrem Generalsekretär Christian Scherer, Alpinchef Herbert Mandl und auch Ex-ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel. Weit abseits der demonstrativ gut gelaunte ÖSV-Finanzchef Patrick Ortlieb mit FIS-Präsident Johan Eliasch. Ortlieb hatte öffentlich klare Worte für Versäumnisse im ÖSV gefunden, Präsidentin Stadlober war nicht glücklich über den medialen Vorstoß, auch Schröcksnadel sah sich angegriffen und konterte.

Auch international braut sich etwas zusammen. In Kitzbühel wurde eine neue Kooperation zwischen ÖSV und den Skiverbänden aus der Schweiz und Deutschland verlautbart. Darüber hinaus wurde mit Stadlober als neuer Präsidentin die Organisation der Alpenländer-Skiverbände (O.P.A.) gestärkt. Als Angriff auf die FIS und ihren umstrittenen Präsidenten wollte man all das nicht verstanden wissen. Das Ziel aber scheint klar: Eliasch soll abgelöst werden.

Slalom Kitzbühel

1. Daniel Yule (SUI) 1:44,63 Min.
2. David Ryding (GBR) +0,40 Sek.
3. Lucas Braathen (NOR) +0,41.
Weiters: 4. Straßer (GER) +0,42 5. Kristoffersen (NOR) +0,47 9. Pertl (AUT) +0,72 10. Gstrein (AUT) +1,13 19. Matt (AUT) +1,82.


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