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Musiktheater Linz

Hier wütet das Schicksal im Bunker

Als Einlagen montiert: die Nummern der Marketenderin Preziosilla (Manuela Leonhartsberger).
Als Einlagen montiert: die Nummern der Marketenderin Preziosilla (Manuela Leonhartsberger).Reinhard Winkler
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Starregisseur Peter Konwitschny verdichtet Verdis „La forza del destino“ wirkungsvoll auf Spielfilmlänge – und erntet dafür Jubel. Erica Eloff leuchtet als Leonora.

Er kommt! Hufgetrappel und Wiehern aus dem Off zeigen unmissverständlich an, dass Don Alvaro librettogemäß einreitet, um spätabends mit der geliebten Leonora durchzubrennen. Was macht sie also? Sie geht sich umziehen. Flugs legt sie den Edelpyjama ab, der ohnehin bloß für den Kontrollrundgang des Richtung Bett strebenden Herrn Papa gedacht war, und schlüpft in – nein, nicht etwa in etwas Praktisches. Sondern in ein kesses rotes Partykleid mit dazugehörigen Pumps. Zusätzlich zum schon gepackten Trolley mit dem notwendigsten Chic reicht ihr die Zofe auch noch ein Beautycase, sicher ist sicher. Ja, ja, bei dieser höheren Tochter klaffen romantische Vorstellung und Realität weit auseinander – und Leonora wird ihre Lektion auf die harte Tour lernen müssen.

Der Weg vom Traum zum Trauma ist kurz. Der Alte wird wach, wankt in Zipfelmütze und Schlafanzug daher und fuchtelt mit dem Degen. Als Alvaro, gute Absichten beteuernd, seine Pistole fallen lässt, löst sich der berühmt-berüchtigte Schuss, der Leonoras Vater tötet. Das geschieht in Zeitlupe: Das Licht geht aus, und zu einem Trommelwirbel findet die leuchtende Kugel langsam, aber unaufhaltsam den Weg in die Brust des Opfers. Auf ihrer Bahn geführt wird sie vom Zombiechor, der nun grinsend zu den Türen hereinstiert und mit diabolischem Vergnügen neue Opfer für seine Reihen rekrutiert. Die „Macht des Schicksals“ ist hier jenes Unheil, das in alle Ritzen des Lebens dringt, weil es vom Krieg gespeist wird.