Erster Verhandlungstag: AvW-Prozess beginnt

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Im Klagenfurter Landesgericht wird die Pleite der Finanzfirma des einst angesehenen Finanz-Moguls Auer von Welsbach verhandelt. Mehr als 100 Anwälte werden erwartet. Sie vertreten 13.000 geschädigte Anleger.

Wien. Richter Christian Liebhauser-Karl hat heute, Dienstag, um halb zehn den Prozess gegen den Investor Wolfgang Auer-Welsbach eröffnet. Die Juristen waren bereits für acht Uhr geladen. „Sonst ginge sich das alles nicht aus. Dieser Prozess sprengt alles bisher Dagewesene“, erklärt Justizsprecher Bernd Lutschounig.

Der einst angesehene Finanz-Mogul Auer-Welsbach wird des schweren Betrugs und der Untreue beschuldigt. Der Gesamtschaden dürfte sich auf mindestens 420 Mio. Euro belaufen. 13.000 Anleger sind betroffen. Sie können ihre Forderungen noch bis zum 30. April 2011 anmelden. Die Masseverwalter verlängerten diese Frist im Dezember wegen der Komplexität des Verfahrens.

Monatelange Verhandlung

Grundsätzlich hat jeder Geschädigte das Recht, dem Prozess beizuwohnen. Exakt dieser Punkt macht der Kärntner Justiz zu schaffen. „Wir haben die mutmaßlichen Opfer kontaktiert, um zu erfahren, wie viele tatsächlich kommen wollen“, sagt Lutschounig. Antworten habe man nur wenige bekommen, die meisten Betroffenen dürften sich durch ihre Anwälte vertreten lassen.

Jedenfalls wird der Schwurgerichtssaal mit seinen 150 Plätzen gesteckt voll sein. In einem Nebenraum überträgt man die Verhandlung per Video – für jene, die keinen Platz im Hauptsaal finden. Die Dauer ist mit 30 Tagen anberaumt, doch rechnet kaum jemand mit einem rechtzeitigen Ende des Prozesses. Bis es zu einem Urteilsspruch kommt, könnte es bis April oder Mai dauern. Zu komplex gestaltet sich einer der größten Wirtschaftskrimis der 2. Republik.

Laut Anklage soll Auer-Welsbach fast zwei Jahrzehnte lang Genussscheine ausgegeben haben. Diese Finanzinstrumente sind gesetzlich schwammig definierte Wertpapiere. In der Regel gebührt dem Investor nach Ablauf die Rückzahlung. Während der Laufzeit werden im Normalfall Zinsen bezahlt. Den AvW-Investoren wurden Erträge von zwölf bis 18 Prozent pro Jahr versprochen. Für Gutachter Fritz Kleiner war dieser Wert „zu jedem Zeitpunkt unrealistisch“. Er spricht von einer „Abzocke“. Die Gelder seien wie bei einem Pyramidenspiel nicht angelegt worden, sondern schlicht und einfach verschwunden.

Prominente Geschädigte

Der von Auer-Welsbach geführte Finanzkonzern AvW stellte im Oktober 2008 die Rücknahme der Genussscheine ein. Später belastete der frühere Vorstand Arnulf Komposch den Kärntner Auer-Welsbach schwer. Am 23. April des Vorjahres klickten die Handschellen. Seitdem sitzt Auer-Welsbach in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Er beschuldigt indessen einen ehemaligen Prokuristen, die Gelder veruntreut zu haben. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Unter den Opfern des Kriminalfalls dürften sich auch mehrere prominente Anleger finden. Dem Vernehmen nach sollen unter anderem Außenminister Michael Spindelegger und der frühere Skistar Fritz Strobl bei AvW investiert gewesen sein.

Auf einen Blick

Wolfgang Auer-Welsbach wurde im April 2010 verhaftet. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Der einst angesehene Investor soll tausende Anleger betrogen haben. Ihm drohen bis zu zehn Jahren Gefängnis.

Am Landesgericht Klagenfurtbeginnt heute, Dienstag, der Prozess. Das Verfahren könnte sich wegen seiner Komplexität über Monate hinziehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2011)

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