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Grazer Westen: Zielsprint für Sportbad

(c) APA/Holding Graz/H. Sommer (Holding Graz/H. Sommer)
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Katholische Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft aus Deutschland tritt als neuer Investor für die Reininghaus-Gründe auf. Bezüglich Genehmigungen für das geplante Stadtviertel macht man Druck auf die Stadt.

Graz. Die Verbitterung war hör- und sichtbar. Mit polternder Stimme und finsterem Blick wetterte Ernst Scholdan, Vorstandschef der Immobilienentwicklungsfirma Asset One, über die Grazer Stadtpolitik, konkret über eine Front aus SPÖ, KPÖ, FPÖ und BZÖ. Für Donnerstag dieser Woche hatte das lose Oppositionsbündnis eine Sondersitzung des Gemeinderats veranlasst. Inhalt: Der geplante Kauf der Reininghaus-Gründe durch die Stadt. Knapp 80 Millionen Euro hätte die Stadt an Scholdan überweisen sollen.

Aus dem Grundstücksdeal wird jetzt nichts. Über die Weihnachtsfeiertage hatte Scholdan überraschend einen Schlussstrich unter die seit Monaten zäh dahinlaufenden Verhandlungen gezogen: „Ich wollte nicht Gegenstand eines Sondergemeinderats werden.“ Scholdan verkaufte das 550.000 Quadratmeter große ehemalige Brauerei-Areal daher an einen anderen Investor. „Um zehn Millionen mehr“, wie Scholdan zufrieden bilanziert.

Beim neuen Investor handelt es sich um das „Petruswerk“, eine katholische Wohnungsbau- und Siedlungsgenossenschaft, die unter anderem bereits in Berlin beziehungsweise in Oberösterreich und Salzburg investiert hat. Für das Projekt in Graz macht Geschäftsführer Douglas Fernando gleich vorab Druck. Binnen drei Jahren sollen die ersten 75.000 Quadratmeter verbaut, in acht Jahren das gesamt Projekt fertig sein. „Zeit ist Geld – wenn es 25 Jahre dauert, dann gehe ich nach Hause.“ Akkurate Vorgaben, mit denen der promovierte Theologie mit sanft-pastoralem Unterton und getrieben von missionarischer Überzeugung („Wir beten und hoffen“) den Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl konfrontiert. „Wir werden uns anstrengen müssen und schauen, dass die Uhren entsprechend schnell ticken“, reflektiert Nagl im Hinblick auf eine mögliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das neu entstehende Stadtviertel.

 

Modernstes Bad Österreichs

In unmittelbarer Nähe – im Bezirk Eggenberg – ist man bereits einen Realisierungsschritt weiter. Seit 18Monaten wird dort das stadteigene Bad zum modernsten Sport- und Wellnessbad Österreichs umgebaut. 41 Millionen Euro werden insgesamt investiert, wobei die der Stadt Graz von Bund und Land zugesagten Beträge nach nicht ganz konfliktfreien Verhandlungen aber noch immer nicht vollständig überwiesen wurden.

Während im Freibereich bis Mai gearbeitet wird, öffnet der Hallenbereich offiziell am 10. Februar (seit gestern läuft der Probebetrieb). In der „Auster“ genannten Konstruktion gibt es neben einem für internationale Wettkämpfe zugelassenen Sportbecken ein Lehrschwimmbecken, einen Gymnastikraum und einen zweitausend Quadratmeter großen Indoor-Wellnessbereich.

Die Anlage ist mit modernsten technischen Finessen ausgestattet: Mittels 400 Quadratmeter Solarkollektoren wird das Wasser gewärmt, binnen 20 Minuten kann man aus dem einzigen 50-Meter-Becken Südösterreichs dank eines fahrbaren Wandmoduls zwei 25-Meter-Becken machen. Zudem sind sämtliche Becken mit dem Sicherheitssystem „Blue Fox“ ausgestattet. Die Armbanduhr-großen Chipbänder der Besucher melden dabei in die Bademeisterzentrale, wenn ein Badegast länger und tiefer als die am Chip abgespeicherten Werte im Wasser ist. Damit soll die Gefahr des Ertrinkens minimiert werden. Das System feiert in Graz seine Österreich-Premiere.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2011)