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Klimapolitik

2021 brachte ein deutliches Plus der Treibhausgase

EU-Gipfel zu Energie und Klima
Die Treibhausgas-Belastung aus dem Verkehr ist seit 1990 am stärksten gestiegen.(c) dpa (A3582 Alexander R�sche)
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Keine Trendumkehr auf weiter Flur: Die aktuelle Statistik zeigt, dass der Ausstoß von Treibhausgasen weiter zunimmt. Aus dem Ruder laufen die Emissionen vor allem im Verkehr.

Der Ausstoß von Treibhausgasen – das bedeutendste ist Kohlendioxid – hat 2021 wieder stark zugenommen, insgesamt um 6,9 Prozent (370.000 Tonnen). Das zeigt die Treibhausgasbilanz, die das Umweltbundesamt am Montag veröffentlicht hat. 2020 hatte es einen gegenläufigen Trend gegeben, die Emission von Kohlendioxid, Methan und vier anderen Treibhausgasen hat um 7,7 Prozent abgenommen, die Gesamtmenge lag bei 73,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Verursacht wurde dieser Rückgang durch die Beschränkungen während der Corona-Pandemie.

Der Anstieg von 2020 auf 2021 geht zu einem Gutteil auf den Verkehr zurück. Der Absatz sowohl von Diesel als auch Benzin ist deutlich gestiegen, zudem haben auch die Fahrleistungen wieder zugenommen – hier vor allem bei Lkw, die 8,3 Prozent mehr Kilometer zurückgelegt haben, bei den Pkw waren es um zwei Prozent mehr. Über Jahrzehnte betrachtet ist der Verkehrssektor jener Bereich, in dem die größten klimapolitischen Probleme auftauchen: Seit 1990 haben die Emissionen durch Autos um 56,9 Prozent zugenommen. Der nationale Flugverkehr sowie Eisenbahn und Straßenbahnen spielen dabei so gut wie keine Rolle.

Die Treibhausgas-Belastung durch Energie und Industrie hat hat dagegen in den mehr als drei Jahrzehnten abgenommen – um etwa 5,3 Prozent. Diese beiden Sektoren sind für etwas weniger als die Hälfte der österreichischen Emissionen verantwortlich.

Bei Betrachten dieser sektoralen Asuwertung ist wichtig zu wissen, dass die Treibhausgas-Intensität auf das Konto von vergleichsweise sehr wenigen Anlagen geht, weshalb bereits geringe Auftrags- und Produktionsschwankungen sich auf die Treibhausgas-Bilanz niederschlagen. Ähnlich im Energiesektor: Der bestimmende Faktor ist dabei die Witterung. Ein wärmerer Winter verringert die Notwendigkeit zu heizen. Auch das schlägt sich direkt in der Bilanz nieder.

Bis 2030 ein Minus von 48%

Betrachtet man die Energie und Industrie separat, so zeigt sich, dass die Emissionen im Energie-Sektor um 1,4 Prozent gesunken sind – Ursache dafür: Das letzte österreichische Kohlekraftwerk ist 2020 stillgelegt worden. Die Stromproduktion in Großkraftwerken ist um sechs Prozent gestiegen, ein Zehntel des Strombedarfs in Österreich ist 2021 durch Importe abgedeckt worden. Die Emissionen der Industriebetriebe, für die ein Emissionshandel möglich ist, sind um 9,3 Prozent gestiegen.

Der Gebäudesektor weist zwar seit 1990 einen Rückgang auf (29,5 Prozent), ist aber im Jahr 2021 um 12,6% (eine Million Tonnen) getsiegen – bedingt vor allem durch den verstärkten Einsatz von Erdgas aufgrund des klälteren Winters (gegenüber jenem von 2019/2020). Das Minus bei der Abfallwirtschaft (- 50,9 Prozent seit 1990) ist kein Grund zum Jubeln. Es handelt sich mehr um eine Verlagerung der Emissionen: Seit 1990 hat sich die Klimabelastung bei der Verbrennung von Abfall mehr als verdreifacht und lag 2021 bei 1,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent.

Das Umweltbundesamt gibt auch eine erste Abschätzung für das Jahr 2022 ab: Demnach ist mit einem Rückgang um fünf Prozent zu rechnen. Dies wird zurückgeführt auf die Energiekrise und den damit verbundenen Rückgang von Diesel- und Erdgasverbrauch. „Um die europäischen Ziele der EU Effort-Sharing-Entscheidung bis 2030 zu erreichen, braucht es aber eine Trendumkehr. Vor allem dann, wenn es gilt, die ambitionierteren Ziele des Fit-for-55 Pakets (-48 Prozent für Österreich) zu erreichen. Für die Klimaneutralität Österreichs im Jahr 2040 sind weitreichende Transformationsschritte vor allem zur Reduktion des Gesamtenergieeinsatzes sowie zum Ersatz fossiler durch erneuerbarer Energie erforderlich.“

Und dabei hat die Statistik sogar Nachsehen mit der österreichischen Klimapolitik. Fußend auf den jüngsten Erkenntnissen der IPCC-Berichte ist die Klimawirksamkeit des zweit-wichtigsten Treibhausgases – Methan – neu zu bewerten. Die Wissenschaftler des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ schätzen die Klimabedeutung von Methan höher ein. Dadurch sind die Emissionsmengen zurückliegender Jahre höher als in früher veröffentlichten Statistiken: jene von 1990 etwa um 0,611 Millionen Tonnen, jene von 2005 um fast eine halbe Millionen Tonnen. Dadurch sind die Berechnungsgrundlagen für die Emissionssteigerungen nach oben revidiert worden – die prozentuelle Abweichung ist also geringer.

Ablesbar ist auch, dass über die Jahrzehnte betrachtet die Methan-Belastung leicht sinkt. Warum? „Weil immer mehr dieses Treibhausgases erfasst wird und deshalb nicht mehr in die Atmosphäre gelangt“, berichtet Günther Lichtblau, Klimaexperte und Koordinator der Studie.

„Kraftakt, kein Spaziergang“

Im EU-Kontext ist 2030 ein wichtiges Jahr. Nach bisher beschlossener Vorgabe hat Österreich eine Verringerung von 36 Prozent zu erreichen. Durch die Nachjustierung der EU-Ziele, insbesondere durch das Klimaschutzprogramm „Fit for 55“, wird Österreich bis 2030 ein Minus von 48 Prozent erreichen müssen.

Die Reaktionen von Umweltorganisationen auf die Bilanz sind kritisch. „Die Treibhausgasbilanz stellt Österreich abermals ein vernichtendes Zeugnis aus“, sagt Jasmin Duregger, Klima- und Energiesprecherin bei Greenpeace in Österreich. Sie verlangt, dass „die schwarz-grüne Koalition endlich Nägel mit Köpfen beim Klimaschutz machen“ solle. „Das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden, ist ein Kraftakt, kein Spaziergang.“

Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000, fordert „einen Neustart in der heimischen Klimapolitik, damit klimaschädliche Emissionen dauerhaft sinken, rasch die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten erreicht werden kann und allen Menschen der Zugang zu einer sauberen, leistbaren Energieversorgung ermöglicht wird.“ Und es brauche auch einen „Neustart in der politischen Kultur in Österreich, was Klimapolitik angeht. Die Klimakrise geht uns alle an, deshalb muss auch Klimaschutz zu einem Anliegen von allen Parteien und Interessensvertretungen werden. Die Zeit der Blockaden muss endgültig vorbei sein!“

Und Thomas Zehetner, Klimasprecher des WWF (World Wide Fund for Nature), tritt für „ein großes Energiespar-Programm ein, ein starkes Klimaschutzgesetz und Sofortmaßnahmen im langjährigen Problemfeld Verkehr, darunter niedrigere Tempolimits, die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs und der Radwege.“ Zu guter Letzt sei auch ein Bodenschutzvertrag von zentraler Bedeutung, um die Versiegelung zu bremsen.