Eine der wichtigsten Erdölpipelines der USA musste eingestellt werden. Der britische Energieriese BP muss seine Produktion in Alaska bereits um 95 Prozent zurückfahren. Die Erdölpreise ziehen wieder kräftig an.
Wien/Auer. Eine der bedeutendsten Erdölpipelines der Vereinigten Staaten hat ein Leck, der Betrieb musste vorübergehend eingestellt werden. Das nährt die Sorge vor einem Hundert-Dollar-Ölpreis.
Seit Samstagmorgen fließt kein Tropfen Öl mehr durch die 1300 Kilometer lange Trans Alaska Pipeline von Prudhoe Bay nach Valdez, dem nördlichsten eisfreien Hafen der USA. Im Normalfall fließen 630.000 Fass (je 159 Liter) Öl am Tag durch die Leitung, die damit etwa zwölf Prozent der gesamten Inlandsproduktion der Vereinigten Staaten deckt.
Der britische Energieriese BP, einer der Eigner der Pipeline, musste seine Produktion in Alaska bereits um 95 Prozent zurückfahren – und erntete an der Börse dafür Abschläge von bis zu 2,7 Prozent auf seinen Aktienkurs. Die Erdölpreise zogen hingegen gestern, Montag, wieder kräftig an. Ein Fass der US-Sorte WTI kostete etwa ein Prozent mehr als am Freitag. Die Nordseemarke Brent legte um 1,5 Prozent zu. Futures schossen um 2,2 Prozent nach oben.
2010: Ölpreis legte 18 Prozent zu
Das nährt die Erwartung mancher Analysten auf eine Preisrallye im heurigen Jahr. Die Nachfrage nach dem Brennstoff steige schneller, als er derzeit aus der Erde geholt werde, erklärt etwa die Investmentbank Stanley Morgan. Allein China importierte im Vorjahr um 18 Prozent mehr Erdöl als noch 2009. Der Preis für ein Fass der Nordseemarke Brent zog im Vorjahr um rund 18 Prozent an. Für 2011 rechnet Morgan Stanley mit einem Ölpreis von über hundert Dollar je Fass.
Der Ausblick des Ölexperten Johannes Benigni von JBC Energy ist verhaltener. Im Gespräch mit der „Presse“ schätzt er den durchschnittlichen Ölpreis für 2011 auf 85 Dollar je Fass. „Zwischenzeitlich“ werde der Ölpreis heuer „die 100-Dollar-Marke aber passieren“. Grund dafür sei das hohe Interesse der Finanzinvestoren am Rohstoff. Solange Währungen so schwach blieben, würde auch die Unsicherheit an den Finanzmärkten bestehen, die Investoren tendenziell zu Rohstoffen greifen lasse. Fundamental ließe sich ein derartiger Preissprung aber nicht erklären.
Hoffen auf schnelle Reparatur
Sollte die Schließung der Leitung in Alaska aber noch Wochen dauern, werden weitere Preisaufschläge kommen, schätzen Marktteilnehmer. Noch ist nicht klar, wie lange die Arbeiten an der Pipeline dauern werden. Die Abdichtung soll zwar verhältnismäßig rasch möglich sein. Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im vergangenen Jahr ist aber damit zu rechnen, dass die Behörden nicht voreilig grünes Licht für die Wiederinbetriebnahme geben werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2011)