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Streit um Text

„Indianer“ gestrichen: Ermittlungen gegen Schlagerstar Silbereisen

ARD: ALLE SINGEN WEIHNACHTEN! DAS GROSSE ADVENTSFESTSINGEN 2022 . Fernsehmoderator Florian Silbereisen w�hrend der Aufz
„Erinnerst du dich, wir haben zusammen gespielt“, sagt Florian Silbereisen(c) IMAGO/STAR-MEDIA (IMAGO/STAR-MEDIA)
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Statt des Wortes „Indianer“ sang Florian Silbereisen bei seinem Cover von „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“ das Wort „zusammen“. Das stört den Songautor: Er geht nun gerichtlich gegen den Schlagerstar vor.

Sagt man noch „Indianer“? Man kann, aber man muss nicht. Die Betroffenen selbst bezeichnen sich eher als Indigene oder Ureinwohner, basiert die Bezeichnung doch auf einem historischen Irrtum aus der Kolonialzeit, weil Christoph Kolumbus glaubte, in Indien gelandet zu sei. Mit dem Begriff Indianer verbindet man heute vor allem Klischeebilder der „edlen Wilden“ mit Kopfschmuck und Mokassins. Daran mag auch der Schlagerstar Florian Silbereisen bei seinem Auftritt in der Abschiedsshow für den Sänger Jürgen Drews gedacht haben.

In dieser, Mitte Jänner unter dem Titel "Zum allerletzten Mal: Der große Schlagerabschied" im MDR ausgestrahlt, sang er den Hit „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“ der Klaus-Lage-Band. Der handelt bekanntlich davon, wie eine langjährige Freundschaft plötzlich Feuer fängt: „Tausendmal berührt/ Tausendmal ist nix passiert/ Tausend und eine Nacht /Und es hat ‚Zoom‘ gemacht“, heißt im Refrain. In den Strophen wird beschrieben, wie lange man sich schon kenne - „ich weiß nicht, wie ewig“, jedenfalls seit der Kindheit. „Erinnerst du dich, wir haben Indianer gespielt“ heißt es im Originaltext. Diesen wandelte Silbereisen nun – ob bewusst oder unbewusst – ab in „Erinnerst du dich, wir haben zusammen gespielt“.

Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz 

Sehr zum Ärger des Verfassers der Zeilen: Diether Dehm, Liedermacher und ehemaliger Linken-Bundestagsabgeordneter, hat eine Anzeige wegen einer aus seiner Sicht unzulässigen Abänderung seines Liedtextes erstattet. Die Staatsanwaltschaft Fulda hat ein Ermittlungsverfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz eingeleitet.

Die Anzeige enthält auch „die Bitte um Prüfung einer Mitschuld der ARD“, wie Dehm und auch die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagten. Die Behörde prüfe auch die Zuständigkeit, möglich sei etwa, dass das Verfahren an den Austragungsort der Sendung weitergeleitet werde, so die Sprecherin.

Dehm wirft vor, dass Sprache „verhunzt“ werde

Dehm geht davon aus, dass es politische Gründe hatte, dass das Wort Indianer gestrichen wurde. Wichtiger als die Begrifflichkeit sei, für die Menschen etwas zu tun, damit es ihnen besser gehe. In der Streichung des Begriffes sieht Dehm einen paternalistischen Versuch, die Sprache zu „verhunzen“.

Silbereisen wollte sich zur Anzeige nicht äußern, ebenso wenig wie der MDR, der mitteilte: „Die von Ihnen angesprochene vermeintliche Strafanzeige ist uns nicht bekannt. Daher werden wir uns dazu nicht äußern.“ Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.

(APA/dpa/Red.)