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Kirche muss eisern sparen: Stopp für neues Personal

(c) FABRY Clemens
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Die große Austrittswelle in der römisch-katholischen Kirche und die damit verbundenen finanziellen Einbußen zwingen die heimischen Diözesen zum Sparen. Die Diözese Linz will bis 2014 acht Millionen Euro sparen.

Wien/Red. Die große Austrittswelle in der römisch-katholischen Kirche und die damit verbundenen finanziellen Einbußen zwingen die heimischen Diözesen zum Sparen. Die Diözese Linz hat gestern, Dienstag, bei einer Pressekonferenz angekündigt, bis zum Jahr 2014 insgesamt acht Millionen Euro einzusparen. Das entspricht etwa zehn Prozent des Budgets von 2010, das mit 75,5 Millionen Euro beziffert wurde.

Reinhold Prinz, Ökonom und Finanzkammerdirektor der Diözese Linz, kündigt Einsparungen durch Veränderungen in der Verwaltung und bei Kooperationen im diözesanen Bereich an. Auch Gehaltsabschlüsse unter der Inflationsrate werden Teil des Sparpakets sein. Bei den Dienstleistungen an die Kirchengemeinschaft wolle man nicht sparen.

Mit dieser „umsichtigen Finanzpolitik“ will die Diözese auch 2011 einen ausgeglichenen Haushalt erzielen. Immerhin zahlen in Oberösterreich rund eine Million Katholiken Kirchenbeiträge. „Ich glaube, dass die gut eine Million, die bleibt, Aufmerksamkeit verdient“, sagt Bischofsvikar Wilhelm Viehböck, Direktor des Pastoralamts der Diözese Linz. Kirchen zu verkaufen, wie das in Deutschland der Fall ist, komme für ihn nicht infrage.

 

„Manche haben Geduld verloren“

Auch die Diözese Gurk-Klagenfurt kündigte einen umfassenden Sparkurs an. Immerhin hat der Anstieg der Austritte in Kärnten mit knapp 94Prozent den höchsten Wert aller Diözesen erreicht. Bischof Alois Schwarz begründet das damit, dass die Zahl in den Jahren davor deutlich niedriger gewesen sei als in anderen Bundesländern. Mit einem Rückgang der Katholikenzahl um 1,4Prozent liege man im Bundesländerschnitt.

Für die Diözese Gurk-Klagenfurt bedeutet der Anstieg der Austritte einen finanziellen Verlust von 440.000 Euro pro Jahr. Finanzkammerdirektor Franz Lamprecht will diesen mit Einsparungen auffangen. Kündigungen soll es keine geben. Allerdings sollen zehn Dienstposten nicht nachbesetzt werden. Bischof Schwarz beunruhigt, dass besonders viele die Kirche verlassen hätten, die „eigentlich eine sehr enge Bindung haben“. Er schließt daraus, dass es „viele offene Themenfelder“ gebe und spricht die Position der Frau, die Problematik der Wiederverheirateten und die Themen Sexualität und Partnerschaft an. „Manche haben die Geduld verloren“, so Schwarz.

In der Erzdiözese Wien will man vor allem bei Infrastrukturprojekten sparen. Die Einnahmen aus den Kirchenbeiträgen sind im Vorjahr um 1,1Prozent auf 92,4 Millionen Euro gesunken. Als Folge müssen alle Projekte, die bisher geplant waren, noch einmal überdacht, redimensioniert oder überhaupt gestrichen werden. Die Kirche Maria vom Siege in Rudolfsheim-Fünfhaus ist nur ein Beispiel dieser neu bewerteten Projekte. Statt der elf Millionen teuren Renovierung gibt es für die Kirche nur eine Schutzabsperrung für fallende Fassadenbrocken. Die Erzdiözese ist nach wie vor auf der Suche nach einer anderen christlichen Gemeinde, die das Gebäude – und die Renovierungskosten – übernimmt. Zuletzt war die Übergabe an die serbisch-orthodoxe Kirche an Einwänden des Denkmalamtes gescheitert. Auch in Wien sind keine Kündigungen geplant. Lediglich bei Honoraren und Zuschüssen soll gespart werden.

Die Diözese Graz-Seckau will das Budgetloch vor allem durch wirtschaftliche Nutzung der Immobilien stopfen. Man wolle einerseits das räumliche Angebot reduzieren, sagt Herbert Beiglböck, Wirtschaftsdirektor der Diözese. „Wir haben viele Pfarrhöfe und -heime, die Gruppen unterbringen können. Hier könnten einige davon vermietet werden. In einigen Pfarrhöfen haben wir betreutes Wohnen untergebracht“, sagt er im Ö1-Radio. Andererseits sollen mehr Pfarrverbände entstehen, so lasse sich bei Personalkosten sparen.

 

Steirische Kommunikationsoffensive

Neben den finanziellen Einsparungen soll aber auch das Vertrauen der (ehemaligen) Katholiken wiedergewonnen werden. In der Steiermark plant man daher eine Kommunikationsoffensive. Die neue Website (www.katholische-kirche-steiermark.at) gehört ebenso dazu wie die „KirchenInfo“, die an alle Haushalte geschickt wird, und das von Bischof Egon Kapellari initiierte Diözesangespräch.

Am 28.Jänner werden an sechs Orten sogenannte Regionalgespräche stattfinden. Höchstrangige Vertreter der Diözesanleitung werden in Kapfenberg, Graz, Knittelfeld, Leibnitz, Weißenbach bei Liezen und Hartberg für ein offenes Gespräch zur Verfügung stehen. Man wolle damit deutlich machen, dass sich die Kirche „konstruktiv den gesellschaftlichen Herausforderungen stellt und dem Leben der Menschen dienen möchte“, heißt es aus der Diözese.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2011)