Planstadt Neom

Baut Coop Himmelb(l)au an "The Line"?

Radikale Stadtplanung in Saudi-Arabien
Radikale Stadtplanung in Saudi-ArabienNeom
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In Saudi-Arabien soll eine emissionsfreie Linienstadt entstehen. Wie man liest, auch unter Wiener Beteiligung.

„The Line" ist ein Strich in der Landschaft. Wobei, Strich trifft es nicht wirklich. Es ist ein Graben, ein gigantischer Graben, der sich mittlerweile auch nicht mehr allein auf den glatten Visualisierungen, sondern ganz faktisch auf Satellitenbildern durch den Wüstenboden Saudi-Arabiens schneidet. Es ist ein radikales 500-Milliarden-Dollar-Stadtplanungsprojekt mit Namen Neom in der am Roten Meer gelegenen Provinz Tabuk, mit dem sich Kronprinz Mohammed bin Salman ein Denkmal setzen will. Eines, das die Zeit nach dem Öl überdauern soll. So weit, so groß, so unfertig.

Vorstellen kann man sich die Planstadt Neom als smartes Utopia zwischen Dubai, Singapur und Silicon Valley. Und es soll, wie man liest, auch mit österreichischer Beteiligung entstehen. Unter den zwölf renommierten Architekturstudios wie Adjaye Associates, Morphosis, Studio Fuksas, die an der Stadt „The Line" mitplanen sollen, finden sich laut einem Bericht des Architects' Journal auch die Wiener Büros Coop Himmelb(l)au und Delugan Meissl Associated Architects. Stellungnahmen gibt es auf Nachfrage keine, die Entwicklungen unterliegen der Verschwiegenheit.

Eine Ausstellung in Riyadh gibt einen ersten Eindruck, wie man in The Line leben soll.
Eine Ausstellung in Riyadh gibt einen ersten Eindruck, wie man in The Line leben soll. Neom

Das Projekt besteht in der Idee jedenfalls aus vier Zentren: Neben den beiden Reisezielen „Sindalah" (einer Luxusinsel), „Trojena" (der Bergstation) und „Oxagon" (einem Industriezentrum) soll die Wohnstadt „The Line" die vierte Säule der Zukunftsvision Neom (der Name ist ein Kunstwort aus dem griechischen "neu" und dem Initial von "mustaqbal", der Zukunft) bilden.

Die Umrisse der 170 Kilometer langen „Line" sind dabei vielleicht am schwersten zu fassen: 500 Meter ist die Idee schmal, links und rechts sollen 300 Meter hohe verspiegelte Wolkenkratzer in den Himmel wachsen. Für „The Line" sind keine Autos und vor allem kein CO₂-Ausstoß vorgesehen. Alle Schulen, Gesundheitszentren, Freizeit-Anlagen und Grünflächen für die neun Millionen Siedler sollen in höchsten fünf Minuten zu Fuß erreichbar sein. Für längere Strecken soll ein komplett automatisiertes Verkehrsnetz entstehen. Die gesamte Infrastruktur wie Müllablagerung, Energie und Lieferlogistik liegt unterirdisch. 

„The Line“ soll bereits 2030 fertig sein, inwiefern das möglich ist, wird sich zeigen. Durchfinanziert ist das Projekt nicht, Investoren dürfen sich melden. Andere werden verdrängt. Für den Bau der neuen Linienstadt werden laut „The Guardian" rund 20.000 Beduinen vertrieben. 

(sh)


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