serie shrinking
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Traumedy-Serien: Hier bringt uns Trauer zum Lachen

Ein Verlust beflügelt manchmal eine ganz eigene Art von Humor: Das zeigen einige Serien, die dem Schmerz ihrer Protagonisten mit Komik begegnen, etwa das neue „Shrinking“ mit Jason Segel und Harrison Ford. Sechs Empfehlungen.

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Shrinking

Neu erschienen, eine Staffel
Zu sehen auf Apple TV+

Natürlich, jeder trauert unterschiedlich. Das, was der tapsige Mittvierziger Jimmy (Jason Segel, bekannt aus „How I Met Your Mother“) ein Jahr nach dem Tod seiner Frau macht, ist aber doch recht speziell. Er hat als Therapeut genug von den ewig gleichen Geschichten seiner Patienten und verlegt sich darauf, in ihr Leben einzugreifen. Mit radikaler Ehrlichkeit und praktischen Maßnahmen. Einer Patientin sagt er, wenn sie nicht sofort ihren Partner verlässt, behandelt er sie nicht mehr. Einem Patienten spioniert er hinterher, einen anderen nimmt er bei sich zu Hause auf. Mit vielen flotten Pointen wird hier von Trauer und Trauma erzählt, wobei Segel (er kreierte die Serie mit den „Ted Lasso“- und „Scrubs“-Schöpfern Bill Lawrence und Brett Goldstein) mit seinen Grimassen manchmal übertreibt.

Herausragend jedenfalls der 80-jährige Harrison Ford, der sich in der gemeinsamen Praxis die Haare raufen würde, wenn er dafür nicht viel zu cool wäre. Es sind die stärksten Momente dieser neuen Serie, wenn er als grantelnder Therapeut und unfreiwilliger Mentor lakonische Weisheiten und herrliche Bosheiten einbringt. Wer nicht der Meinung ist, dass man Trauer bierernst nehmen muss, wird bestens unterhalten. (rovi)

Kidding

Seit 2018, zwei Staffeln
Staffel 1 gibt es auf Sky

Der Kindershowmaster ist verzweifelt. Bei einem Unfall hat er seinen Sohn verloren, die Ehe ging darob in die Brüche, die Beziehung zu seinem zweiten Sohn ist schwierig, aber all das darf sich in seiner Sendung nicht zeigen – was er als Mensch, der niemandem Ärger bereiten will, geduldig erträgt. In diesem Spannungsfeld – Güte und Verletztheit, Wut und Nachsicht, Trauer und Verdrängung – entwickelt sich diese Serie: mit einem Jim Carrey in der Hauptrolle, den man entweder schütteln oder umarmen möchte, und inszeniert mit Hang zum Traumhaften – u. a. von Michel Gondry („Vergiss mein nicht!“). (best)

Fleabag

Seit 2016, zwei Staffeln
Zu sehen auf Amazon

Sehr feministisch. Und sehr unkorrekt. Gleich am Beginn der ersten Staffel zerrt unsere Heldin, die auf den Namen Fleabag hört, einen Typen ins Bett und spricht währenddessen in die Kamera, unter anderem über Analverkehr. Fleabag ist Anfang 30, Großstädterin, ziemlich egozentrisch und mit einem Hang zur Oberflächlichkeit. Für eine perfekte Figur würde sie zehn Jahre ihres Lebens geben, sagt sie. Sie verrät ihre beste Freundin, bestiehlt die neue Frau ihres Vaters, neidet der Schwester den beruflichen Erfolg, beginnt eine Romanze mit einem (katholischen!) Priester und ist bei all dem hinreißend komisch. Im Hintergrund auch hier: ein schlimmer Verlust. (best)

One Mississippi

Seit 2016, zwei Staffeln
Zu sehen auf Amazon

Und dann flattert per Post ein Fragebogen des Spitals ins Haus: Ob man zufrieden gewesen sei mit dem Aufenthalt? Ob die Ärzte auch alles verständlich erklärt hätten? Tja, die Adressatin kann ihn leider nicht ausfüllen, sie ist gestorben, und nun überlegt ihre Tochter, was sie denn so antworten würde aus ihrem Grab heraus – solcher Art ist der Humor von Tig Notaro, die diese Serie konzipiert hat und auch die Hauptrolle spielt: Eine Radiomoderatorin zieht aus New York zurück nach Mississippi, ins Haus ihrer Kindheit, und dort treffen die verschiedenen Arten der Trauer aufeinander: die zwänglerische des Stiefvaters, der die sterbende Mutter allein ließ, weil um fünf Uhr die Katze gefüttert werden muss, die leise verzweifelte des Bruders, die in den Zynismus flüchtende von Tig. Für solche Serien wurde der Begriff Traumedy erfunden. (best)

After Life

Seit 2019, drei Staffeln
Zu sehen auf Netflix

Seit seine Frau gestorben ist, hat das Leben für Tony (Comedian Ricky Gervais) keinen Wert mehr. Wieso also sollte er sich vor den beiden Räubern fürchten, die ihn bedrohen? Doch er muss weiterleben, wohl oder übel. Und beschließt daher, sich an der Welt zu rächen, indem er stets tut, was er will, immer sagt, was er denkt. Und das ist ziemlich fies. Schwarzer britischer Humor, der an den grandios grantelnden Jack Nicholson in „Besser geht's nicht“ erinnert. Wobei das Sentimentale, die Kehrseite der Misanthropie, hier in der Regel nicht sehr weit ist. (i. w.)

Life & Beth

Seit 2022, eine Staffel
Zu sehen auf Disney+

Der Bestatter hat mehrere Trauerfeiern im Angebot. „Welche wäre ihrer Mutter denn würdig?“, fragt er die Weinhändlerin Beth. Diese antwortet so, wie viele aus der Weinkarte wählen: „Die zweitbilligste Option.“ Komikerin Amy Schumer spielt diese (von ihr selbst entworfene) Frau, die in allerlei absurde, amüsant-ungelenke Situationen gerät – und dadurch ihre Vergangenheit aufarbeitet: So introspektiv kann Comedy sein. (kanu)

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