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"Verspottung Polens": Kritik an russischem Bericht

Praesentation von russischem Bericht(c) EPA (Sergei Chirikov)
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Ein polnischer Regierungsvertreter kritisiert "Fehler und Unvollständigkeit" an dem Bericht zum Absturz von Smolensk.

Der Bericht der russischen Untersuchungskommission zum Absturz einer polnischen Regierungsmaschine in Smolensk ist in Polen auf scharfe Kritik gestoßen. Edmund Klich, der Vertreter der polnischen Regierung in der russischen Kommission, warf dem Text am Mittwoch gegenüber Radio TOK FM "Fehler und Unvollständigkeit" vor.

Vor allem vermissten polnische Kommentatoren eine kritische Untersuchung der Arbeit der Fluglotsen in Smolensk. "Der Kontroll-Tower hat die Maschine zu spät aufgefordert, den Landeversuch abzubrechen", so Klich. Im Moment des entsprechenden Befehls hätten die Piloten keine Chance mehr gehabt, den Absturz zu vermeiden. "Etwa die Hälfte" des Berichts beurteilte der polnische Experte als mangelhaft.

Tusk bricht Urlaub ab

Vertreter des polnischen Regierungskabinetts äußerten sich bis zum Nachmittag nicht zu dem Bericht. Sie warteten auf Premierminister Donald Tusk, der kurzfristig seinen Urlaub in den Dolomiten abbrach, um nach Warschau zurückzukehren.

Die rechtskonservative Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) verurteilte den Bericht. Dieser sei eine "Verspottung Polens", erklärte der Ex-Premier Jaroslaw Kaczynski (PiS). Die Untersuchungskommission habe alles getan, um die Verantwortung von sich abzuwälzen, so Kaczynski bei einer Pressekonferenz. Seiner Ansicht nach trage die polnische Regierung dafür eine Mitschuld, weil sie nicht auf eine internationale Untersuchungskommission gedrängt habe.

Alkoholisierung "betrübliche Nachricht"

Nach Ansicht polnische Experten enthalte der Bericht vor allem eine Neuigkeit: Russischen Angaben zufolge wurde im Blut des damaligen Chefs der polnischen Luftstreitkräfte, Andrzej Blasik, der mit an Bord der Maschine war, ein Alkoholgehalt von 0,6 Promille festgestellt. "Das ist eine sehr betrübliche Nachricht", erklärte der Luftfahrt-Experten Tomasz Hypki gegenüber TVP Info. Entscheidend sei jedoch, dass die Piloten nüchtern gewesen seien.

Der Bericht der russischen Untersuchungskommission kommt zu dem Schluss, dass die Verantwortung für das Unglück allein auf polnischer Seite liegt. Die Piloten seien nicht ausreichend auf den Flug vorbereitet gewesen. Sie hätten außerdem nicht angemessen auf die Warnungen vor den schlechten Wetterverhältnissen in Smolensk reagiert. Den Lotsen in Smolensk sei kein Vorwurf zu machen.

Beim Absturz der polnischen Regierungsmaschine am 10. April 2010 waren alle 96 Passagiere ums Leben gekommen. Unter ihnen befanden sich der damalige Präsident Lech Kaczynski und seine Gattin, die Spitze der polnischen Militärführung sowie zahlreiche Politiker und Personen des öffentlichen Lebens.

(Ag.)